| »Leg dich nicht
hin. Bleib so und schau mir zu«, sagte er. Und dann war seine Zunge
wieder in ihr, seine Finger trieben ihr Spiel, ihr Atem wurde heftiger,
und ihre Hände packten seinen Kopf.
Irgendwann mußte sie die Augen schließen. Sie brauchte die Dunkelheit, damit die Empfindungen stürzen und fallen konnten; scharf und grell und sengend, bis sie zu spüren glaubte, daß tief in ihr etwas aufriß. Mit dem einzigen noch regen Teil ihres Verstands nahm sie wahr, daß alles anders sein würde. Sie war in der Wildnis, und für sie gab es keine Pfade mehr und keine Rückkehr in die Heimat. Anthony drückte sie aufs Bett, schwenkte ihre Beine herum; das kühle Laken berührte ihr Rückgrat, und er legte sich auf sie. Sie öffnete die Beine und wartete darauf, daß er in sie kam, doch er tat es nicht. Er hielt sie mit seinem Gewicht fest, stützte sich auf die Ellbogen, verhakte sich in ihrem Blick. »Sag mir, was du willst.« »Fick mich", flüsterte sie. Ihre Stimme war rauh und hing in ihrem Hals fest. Sie umschlang ihn mit den Beinen und versuchte ihn in sich zu ziehen. Sie lernte etwas Neues - daß vermeintliche Verrücktheit sich verändert, wenn man ja sagt. Ein Wort, und Verrücktheit ändert ihr Gesicht. »Warte«, sagte Anthony und glitt von ihr herunter, »lch möchte was holen.« Sara betrachtete seinen Rücken, als er zum Badezimmer ging - das Spiel der Muskeln, als er zum Türknauf griff. Es war einer jener Momente, in denen sich die Perfektion des menschlichen Körpers offenbart. Welchem Gott diese Schöpfung auch gelang - er mußte mit den Augen eines Bildhauers gesehen haben. Anthony kam zurück, in der Hand den seidenen Gürtel seines Morgenmantels, stieg aufs Bett und kniete sich neben sie. Er nahm ihre Arme und legte sie über ihren Kopf, und sie ließ es geschehen; ihre Fingerspitzen berührten das hölzerne Kopfteil. Nichts in ihr wehrte sich, und nur ein kaum hörbares Murmeln sprach von Furchtsamkeit. »Vertraust du mir, Sara?« »Ja.« Dunkelgrüne Seide schlang sich um die Venen ihres Handgelenks. »Aber ich will, daß du dir selbst vertraust«, sagte Anthony. »Ich will, daß du erlebst, wie es sich anfühlt, nur dazuliegen und zu empfangen und nicht zu handeln.« Sie ergab sich mühelos. Sie war bereits gefangen. Das grüne Band, das ihre Handgelenke an das Brett fesselte, diente nur zur Zierde. Als Anthony sie küßte, wollten ihre Arme nach ihm greifen, doch die Seide hielt sie zurück. Er hatte recht - das Gefühl, nicht teilzunehmen, nichts zu tun, war ihr fremd. Sein Haar fiel über ihre Augen, sie roch den Duft seines Shampoos, und sie gab es auf, ihn sehen oder anfassen zu wollen. Sie schloß die Augen, als er über ihren Körper wanderte, sein Mund sich ihrer Brüste bemächtigte, der Haut über ihren Rippen. Nur über ihre Beine konnte sie noch verfügen; sie spreizte sie weiter - lud ihn ein -, öffnete die Augen auch nicht, als Anthony wieder über ihr war, sein Atem ihr Gesicht streifte. Sogar als sie spürte, daß er in sie eindrang, rasten ihre Empfindungen durchs Dunkle. Sie war blind, ihre Handgelenke waren gefesselt und ihre Beine zu schwach, um sich zu erinnern, daß sie sich frei bewegen konnten. Sein Mund lag auf ihrem, als er kam; sie spürte, wie seine Stimme über ihre Zunge schürfte, und wußte, daß ihre eigenen Schreie durch seine Kehle glitten. |
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