| Hier brach Bandole
ein zweites Mal in Lachen aus. "Höre, mein Kind, ich merke, es verlohnt
sich, dich aufzuklären:
Es gibt nichts Lächerlicheres als die Behauptung, die Seele sei etwas anderes wie der Körper. Verführt von dieser ersten Einbildung, glauben manche Leute, daß wir bei der Geburt eingepflanzte Ideen mitbringen. So haben sie denn die Seele als etwas vom Körper verschiedenes hingestellt, dem sie gleichzeitig die Herrschaft über den Körper einräumten; trotzdem sie rein körperlich ist, so behaupteten sie blödsinniger Weise, daß die Ideen Früchte der Gedanken sind, trotzdem sie, aus der Außenwelt stammend, diese erst gebildet haben. Jede Idee hat ihre Ursache und so kompliziert es ist, werden wir sie immer finden. Wenn wir daher die Ideen nur aus dem Materiellen schöpfen, wie können wir glauben, daß die Ursache derselben unkörperlich ist? Es gibt keine Ideen ohne Sinne, so wie der Blinde keine Vorstellung der Farbe hat. Nein, Justine, in keinem Moment des Lebens handelt die Seele ohne äußeren Impuls; gekettet an die Materie, aus der wir bestehen, folgend unseren äußeren Eindrücken, fügt sich die Seele, oder besser gesagt, was wir so nennen, inneren körperlichen Ursachen. Wir glauben, diese Seele schiebe, doch sie wird geschoben, vielleicht weil wir das, was sie treibt, für nicht genug mächtig halten, sie in Bewegung zu setzen. Der Irrtum kommt daher, weil wir unseren Körper für tot halten, während er ein empfindsamer Organismus ist, der alles selbst empfindet und uns selbst das Gefühl des 'Ich' durch die aufeinanderfolgenden Eindrücke von außen verschafft; nur unsere Sinne verschaffen uns Kenntnis von der Außenwelt, und die Eindrücke, die diese auf unseren Körper durch unsere Sinne hervorruft, formen unser Gehirn und lassen das, was wir Seele nennen, denken und handeln; unser Verstand kann nur über das urteilen, was er kennt und er kennt nichts anderes als was er durch die Sinne in Erfahrung gebracht. Dies alles beweist, daß auch die Seele den Gesetzen der Natur, den Gesetzen des Körpers folgt, mit ihm sich ändert und mit ihm zugrunde geht. Schlafend in der Kindheit, kräftig im reifen Alter, vereist beim Greise. Seine Vernunft und sein Wahnsinn, seine Tugend und sein Laster sind Produkte der Außenwelt und ihrer Eindrücke auf den Organismus. Wie konnte man bei diesen Beweisen, daß Seele und Körper ein und dasselbe sind, glauben, daß der eine untergeht, während die andere ewig lebt! Die Tölpel, welche die Idee einer von den Naturgesetzen unabhängigen Seele konstruierten, die Gesetze der ewigen Umgestaltung leugneten, folgerten aus diesen falschen Ideen, daß auch das Weltall eine Weltseele haben müßte und nannten sie Gott. Alle die Religionen und lächerlichen Fabeln, die aus ihnen entstanden, leben von dieser ersten Widernatürlichkeit. Daher die romantische Idee von Lohn und Strafe nach dem Tod, die widerlichste dieser Ideen. Denn wenn die Seele von Gott stammt, wie kann man sie strafen oder belohnen, da sie ja an den Körper gefesselt und daher nicht frei ist? Nichts ist leichter zu erfassen als die Idee der Vergeltung. Sie hindert den Starken, tröstet den Schwachen. Bedarf es mehr zu ihrer Verbreitung? Überall sind die Menschen gleich, überall haben sie dieselben Schwächen und die gleichen Irrtümer. Der Mensch möchte ewig leben, der Wunsch wird zur Hoffnung, die Hoffnung zur Gewißheit, die Gewißheit zum Dogma. Es war leicht zu erraten, daß die Menschen begierig nach diesem Tröste greifen würden. Aber die Sehnsucht nach dieser Chimäre beweist nicht ihre Existenz; wir sehnen uns auch vergeblich nach der Unsterblichkeit des Körpers, warum soll es nicht auch so mit der Seele sein; ist doch die Seele nichts anderes als der Inbegriff unserer Sinne, das Leben, die Vereinigung aller Bewegungen des Körpers, so daß mit dem Tode des Körpers alle Sinne, alle Ideen, endlich auch die Seele stirbt. Wodurch will man uns beweisen, daß diese Seele, die ohne Organe nicht wollen, denken, fühlen, handeln kann, die durch diese Organe lebt, Empfindungen der Freude und des Schmerzes, ja selbst nur Lebensbewußtsein haben wird können, wenn diese Organe zerfallen sind. So stirbt und lebt die Seele mit dem Körper, während des Lebens wird sie von den kleinsten Störungen im Körper berührt, und da will man uns einreden, daß die Seele nach der vollständigen Zerstörung leben, denken und fühlen soll? Welche Lächerlichkeit! Der Mensch gleicht einer Uhr, die, einmal zerbrochen, zu ihrem Gebrauche untauglich ist. Behaupten, daß die Seele nach dem Tode fühlen, denken, sich freuen und leiden sollte, hieße zu glauben, daß eine zerbrochene Uhr weiter die Stunden richtig anzeigen könne. Sei überzeugt, mein Kind, daß nach dem Tode deine Augen nicht sehen werden, deine Ohren nicht hören werden, aus der Tiefe deines Sarges wirst du die Szenen nicht sehen, welche deine Einbildung heute so schwarz sieht, du wirst nicht mehr besorgt sein, was mit deiner Asche geschieht als am Tage deiner Geburt. Sterben heißt aufhören zu denken, zu fühlen, Freud und Leid zu empfinden. Schaue dem Tod mit Ruhe ins Angesicht und gewöhne dich daran, mit Gleichmut an ihn zu denken." - "Oh, mein Herr", sagte Justine, "wie traurig sind Ihre Ideen, sind die, welche ich in meiner Jugend empfangen habe, nicht viel tröstlicher." - "Die Philosophie, Justine, dient nicht dazu, die Schwachen zu trösten, sie hat nur den Zweck, dem Geiste Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und jegliches Vorurteil auszumerzen. Auch bin ich nicht ein Tröster, sondern nur wahrheitsliebend. Wenn ich dich trösten wollte, Justine, würde ich dir wie allen anderen Frauen meines Serails sagen, daß du frei bist, sobald du mir ein Kind geschenkt; ich sage dir dies aber nicht, weil ich dich nicht betrügen will. Du kennst mein Geheimnis und dies hält dich in ewiger Gefangenschaft; du mußt dich also, meine Liebe, schon in dem Sarge sehen, von dem ich vorhin sprach, du wirst niemals die Schwelle der Tür wiedersehen durch welche du eingetreten." "Gnade, mein Herr!" - "Justine, komm, es ist genug gesprochen, ich bin aufgeregt, ich will vögeln." Die Alte wird wieder gerufen. Justine in das Boudoir geführt, man bindet die Unglückliche auf den Schandpfahl und die Alte zieht sich zurück. "Elende Kreatur", sagt hierauf der alte Faun mit Roheit, "du siehst, was eine gute Handlung einträgt; immer noch ist die Tugend in die eigene Falle geraten und war das Opfer des Lasters. Du hättest das Kind nur ruhig ertrinken brauchen lassen und ich hätte mich nicht um dich gekümmert.""Oh, mein Herr, wie konnte ich so ein Verbrechen begehen lassen?""Halt's Maul, du Hure, hab ich dir nicht schon bewiesen, daß wir allein zu befehlen haben über das Stück Samen! Wohlan, du Dirne, schenk mir eins und ich werde es vor dir ertränken!" - "Im Namen des Himmels, Herr, habet Gnade; sobald Eure Begierde gestillt sein wird, werdet Ihr mich verachten, mich im Stich lassen, ich werde Euch zu nichts mehr nützen. Und doch kann ich Euch große Dienste erweisen, wenn Ihr mich anderweitig im Hause verwenden wollt. "Wozu denn?" sagte Bandole, indem er roh den Busen und die Scham Justines abgriff. "Ein Kerl wie du ist nur dazu da, gevögelt zu werden und dazu will ich dich verwenden. Der einzige Unterschied ist, daß ich dich noch mehr quälen werde wie die anderen denn du bleibst dein ganzes Leben hier!" Und damit machte sich Bandole, genügend erhitzt, an die Arbeit. Aber da er, wie alle Philosophen und Freigeister, Vorbereitungen traf, so schleckte er, da er ein Liebhaber der Fut war, zuerst diese, er biß auf den Kitzler und belustigte sich, die Scham mit den Zähnen zu enthaaren. Diese Vorbereitungen waren von verschiedener Heftigkeit, je frischer und hübscher das Objekt war, und da Bandole selten noch so ein schönes wie Justine unter die Hände bekommen, so zerbiß das Scheusal fast ihre arme, kleine Scheide; auch ihr schöner Popo empfing den Eindruck der Zähne des Wüstlings und endlich will das Scheusal zum letzten entschlossen darauf losgehen, als man ihm meldete, daß eine seiner Frauen niederkommt. Es war dies so Sitte, den Sultan zu verständigen, der sich dabei sehr merkwürdig betrug. "Ihr hättet wohl einen Augenblick warten können", sagte er zur Alten, "ich wollte gerade vögeln, doch Ihr habt den Befehl, mich immer zu verständigen und Ihr habt gut getan. Binde das Mädchen los, es soll mir folgen; bestimmt euch einst zu ersetzen, soll sie ihren Dienst lernen." Justine, die Alte und Bandole gingen in die Zelle der Gebärenden. Es war ein Mädchen von neunzehn Jahren, schön wie der Tag; sie lag in den ersten Wehen. Bandole und die Alte packten sie und legten sie auf eine Maschine, welche zwar verschieden von dem Vögelapparat, aber mindestens so unbequem war. Das Opfer lag so auf einem Brett, daß Kopf und Füße tief lagen, nur die Hüften waren erhöht. Auf diese Weise mußte die Niederkunft sehr gefährlich sein und gerade das kitzelte den Wüstling. Kaum lag das arme Mädchen auf seinem Schmerzensbette, als sie laute Schreie auszustoßen begann. "Das wird eine schwere Niederkunft", sagte Bandole, als er sie betastet, "ich kann dir bei der Gelegenheit meine Geschicklichkeit zeigen." Um sich noch zu überzeugen, steckte er einen Finger in die Gebärmutter der Leidenden. "Sie wird bestimmt große Schmerzen haben", sagte er mit Freude, "das Kind kommt mit den Füßen voran, wir werden schreckliche Mittel anwenden müssen." Als nach einiger Zeit dieselben Symptome sich wiederholten, sagte er: "Es gibt kein anderes Mittel, die Mutter muß sterben, wenn ich das Kind retten will; und das letztere mir noch großes Vergnügen bereiten kann, während die erstere mir nichts mehr nützt, wäre ich ein Narr, zu zögern." So hörte die Unglückliche ihr Todesurteil, denn der rohe Geselle nahm sich keine Mühe, es ihr zu verschweigen. "Mir bleibt nur der Kaiserschnitt übrig." Er packt seine Instrumente aus und macht sich daran, den Bauch zu öffnen. Er will das Kind ergreifen, es gelingt ihm, aber das Embryo kommt nur in Stücken heraus. "Der Herr hat hier eine glänzende Operation gemacht!" - "Sie ist fehlgegangen", antwortete Bandole, "und das ist deine Schuld; warum kommst du mich rufen, wenn ich aufgeregt bin. Du weißt, ich kann nichts machen, wenn ich blind bin vor Geilheit; da hast du den Beweis. Das macht aber nichts; geile mich, Justine, und lenke den Strom meines Samens auf die blutigen Reste der Opfer." -Justine, erschreckt, in Tränen aufgelöst, gehorchte zitternd; nach zwei Angriffen explodierte die Bombe. Es schien, daß der Schweinkerl niemals noch so gut gekitzelt wurde; die Mutter und das Kind sind befleckt von den sprechenden Beweisen seiner Stärke. Hierauf tritt Ruhe ein, erzieht sich zurück. "Man soll das alles begraben und das Mädel an den sicheren Ort bringen; je mehr Geheimnisse sie kennt, desto mehr fürchte ich sie. Ich habe für sie keine Schonung; in den Kerker mit ihr!" |
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