Lust an der Unterwerfung

WAS MARIO SAGTE, klang gut. Was er tat, war weniger gut. Aber das registrierte ich erst viel später - viel zu spät.
War es Naivität? Oder einfach nur das unerfüllte Verlangen nach dem passenden Mann, nach einem Leben als Sklavin, das mich bei ihm ausharren ließ - Wochen, Monate, Jahre? Hätte ich schon ganz zu Anfang merken müssen, daß eigentlich nichts an seinem Wesen dem entsprach, was ich brauchte und suchte?
Was mich in die Irre führte, war seine Statur, waren seine Größe und seine Stimme, war der Ausdruck in seinen Augen, den ich als liebevoll und doch undurchdringlich empfand. War es in Wirklichkeit Kälte, die aus seinen Augen sprach?
Was mich in die Irre führte, war auch die Bestimmtheit, mit der er mir nach unserer ersten Nacht mitteilte, daß ich bei ihm bleiben und meine Wohnung und meine Freunde aufgeben sollte. Oder war es in Wirklichkeit gar keine Bestimmtheit, sondern die pure Angst, die ihn dazu veranlaßte,  mich  von  allem,  was  meine Vergangenheit  ausmachte, zu isolieren?
Sein Blick war klar und sicher, weil ich ihn mir klar und sicher wünschte. Seine Hand war stark, weil ich eine starke Hand brauchte. Seine Anordnungen waren gut, weil ich endlich Anordnungen Folge leisten wollte.
Aber das begriff ich damals nicht. Ich glaubte, da angekommen zu sein, wo ich immer hingewollt hatte.

MARIO und ich waren uns einig: Ich sollte seine willige, unterwürfige Sklavin, die Dienerin meines Herrschers und Gebieters sein.
So hatte ich es doch gewollt, oder? "Ja", sagte ich voller Überzeugung.
Die Existenz einer Sklavin kann sehr unterschiedliche Ausprägungen haben. Sie kann liebevoll entworfen, subtil und einfühlsam auf die jeweilige Person zugeschnitten sein, phantasievoll ausgekleidet werden und dadurch zu einer Erfüllung für beide werden. Sie kann aber auch reduziert sein auf das rein Funktionale.
Und sich in den Dienst eines Herrschers zu stellen kann Passivität bedeuten, pure Hingabe. Es kann aber auch das Gegenteil bedeuten, nämlich Aktivität und Dienstbarkeit in jeder nur erdenklichen Form.
Letzteres hatte Mario für mich vorgesehen.
Und zu einer solchen Sklavin machte er mich denn auch, zielstrebig und konsequent.
Leider war das ganz und gar nicht die Sklavenexistenz, die ich brauchte, um glücklich zu sein.
Aber das wußte ich, wie gesagt, zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Und Mario hat es nicht interessiert.

MEINE VERWANDLUNG ZUR SKLAVIN vollzog sich unter seiner gewissenhaften, nahezu perfekten Regie. Ich erwartete ihn abends auf High-heels, in Lederkorsage und Netzstrümpfen mit Strapsen. Um den Hals und an den Handgelenken trug ich Ketten oder zumindest Ledermanschetten, an denen jederzeit Ketten befestigt werden konnten. Ein lederner String-Tanga zeigte deutlich, was er nicht verhüllen sollte. Ich war stets grell geschminkt, trug hochtoupiertes Haar und rotlackierte Fingernägel. So hatte er sich immer in seinen Phantasien und Träumen seine Sklavin vorgestellt. Und so sah ich schon bald nach Unterzeichnung meines Sklavenvertrages aus. Getreu meiner Bestimmung kniete ich vor ihm nieder, kaum daß er am Abend das Haus betreten hatte. Er kam nicht einmal dazu, in Ruhe seine Jacke abzulegen. Ich öffnete seinen Gürtel, zog den Reißverschluß auf, streifte seine Hose herunter - Und dann das, was mir als Sklavin höchste Lust bedeuten sollte, aber niemals tatsächlich Lust verschaffte: das Glied des Herrschers in meinem Mund. "Du geiles Luder", stöhnte er.
Ich schluckte meinen Widerwillen mit dem herrschaftlichen Sperma hinunter.
Sklavin sein - das hatte ich doch schließlich gewollt, oder?

ICH VERSUCHTE meine Sache gut zu machen. Meinen Widerwillen erklärte ich mir als eine ganz normale Reaktion, die es eben zu besiegen galt. Denn nichts anderes hieß es doch wohl, Sklavin zu sein: Die eigenen Gefühle zählten nicht, einzig von Bedeutung waren die Gelüste des Herrn und Gebieters. Jetzt war ich halt mit der Wirklichkeit konfrontiert, und die sah eben nicht so aus, wie ich sie mir in meinen Träumen vorgestellt hatte. Was hatte ich denn erwartet? Sollte er etwa immer das tun, was ich mir gerade wünschte? Ich wußte doch ganz genau, daß das der größte Fehler gewesen wäre, den er hätte begehen können: zu tun, was ich wollte. Nein, das wollte ich wirklich auch nicht! Ich wollte mich fügen. Ich wollte tun, was er verlangte. Und ich wollte es so gut machen, wie es mir irgend möglich war.

MIR GELANG ES offenbar, meinen Herrn zufriedenzustellen. Denn einige Zeit später wurde ich zur Lecksklavin befördert. Diese Stellung gab mir das Recht, meinen Gebieter allmorgendlich mit sanfter Zunge zu wecken und ihn auf diese Weise zu reinigen, um ihm so das Bad zu ersparen. Und das Recht, abends auf gleiche Weise jede Ritze, jede Falte seines herrschaftlichen Leibes zu verwöhnen. Ich keuchte nach Luft unter seinem Gewicht, wenn er mir sein gebieterisches Hinterteil ins Gesicht drückte. "Richtig lecken. Sklavensau, los, ganz mit der Zunge rein, du Lustvotze ...!" Der Geschmack des Gebieters war bitter und ranzig. Ich wand mich. Das alles gefiel mir nicht. Kein bißchen. Das ist normal, sagte ich mir selbst, daß ich mich innerlich dagegen sträube. Aber ich muß ihm gehorchen. Meine Brüste band er mit Schnüren ab, er bestückte mich mit bauchigen Flaschen und fotografierte mich dann. Er rasierte  mich und  ließ  Ringe  an  meinen  Schamlippen anbringen. Er tauschte sich mit anderen Gebietern über die neuesten Behandlungsmethoden mit heißem Wachs und Elektroschocks aus.
Es wurde mir immer unheimlicher. Aber ich blieb. Das hatte ich doch schließlich gewollt, oder?

WIE EINE HURE stylt er mich manchmal, legt mich in Ketten und Fährt mit mir an bestimmte Plätze in der Stadt oder im Wald, die Insidern bekannt sind, und hält dort an. Da stehen sie schon, Spanner und Freier, und warten auf das, was die Nacht ihnen bescheren wird.
"Schaut sie euch an, die Lustvotze! Die ist ganz wild darauf, euch den Saft herauszusaugen." So preist mich Mario an. Ich zucke zusammen. Jedesmal wenn er dieses Wort sagt: Votze. Ich hasse es. Ich hasse auch meine Aufmachung, diese Art des Gehorchens. Gierig grinsende Münder, grapschende Hände, hoch aufgerichtete Schwänze, in meinem Mund, in meinem Leib.
Mario, mein Herrscher, ist zufrieden. "Na, habe ich meine Lustzofe nicht gut erzogen? Die folgt mir wie ein Hund. Die schluckt alles bis auf den letzten Tropfen." Ich schlucke.
Das brauchst du doch, oder?



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