| WAS MARIO SAGTE, klang
gut. Was er tat, war weniger gut. Aber das registrierte ich erst viel später
- viel zu spät.
War es Naivität? Oder einfach nur das unerfüllte Verlangen nach dem passenden Mann, nach einem Leben als Sklavin, das mich bei ihm ausharren ließ - Wochen, Monate, Jahre? Hätte ich schon ganz zu Anfang merken müssen, daß eigentlich nichts an seinem Wesen dem entsprach, was ich brauchte und suchte? Was mich in die Irre führte, war seine Statur, waren seine Größe und seine Stimme, war der Ausdruck in seinen Augen, den ich als liebevoll und doch undurchdringlich empfand. War es in Wirklichkeit Kälte, die aus seinen Augen sprach? Was mich in die Irre führte, war auch die Bestimmtheit, mit der er mir nach unserer ersten Nacht mitteilte, daß ich bei ihm bleiben und meine Wohnung und meine Freunde aufgeben sollte. Oder war es in Wirklichkeit gar keine Bestimmtheit, sondern die pure Angst, die ihn dazu veranlaßte, mich von allem, was meine Vergangenheit ausmachte, zu isolieren? Sein Blick war klar und sicher, weil ich ihn mir klar und sicher wünschte. Seine Hand war stark, weil ich eine starke Hand brauchte. Seine Anordnungen waren gut, weil ich endlich Anordnungen Folge leisten wollte. Aber das begriff ich damals nicht. Ich glaubte, da angekommen zu sein, wo ich immer hingewollt hatte. MARIO und ich waren uns einig: Ich
sollte seine willige, unterwürfige Sklavin, die Dienerin meines Herrschers
und Gebieters sein.
MEINE VERWANDLUNG ZUR SKLAVIN vollzog
sich unter seiner gewissenhaften, nahezu perfekten Regie. Ich erwartete
ihn abends auf High-heels, in Lederkorsage und Netzstrümpfen mit Strapsen.
Um den Hals und an den Handgelenken trug ich Ketten oder zumindest Ledermanschetten,
an denen jederzeit Ketten befestigt werden konnten. Ein lederner String-Tanga
zeigte deutlich, was er nicht verhüllen sollte. Ich war stets grell
geschminkt, trug hochtoupiertes Haar und rotlackierte Fingernägel.
So hatte er sich immer in seinen Phantasien und Träumen seine Sklavin
vorgestellt. Und so sah ich schon bald nach Unterzeichnung meines Sklavenvertrages
aus. Getreu meiner Bestimmung kniete ich vor ihm nieder, kaum daß
er am Abend das Haus betreten hatte. Er kam nicht einmal dazu, in Ruhe
seine Jacke abzulegen. Ich öffnete seinen Gürtel, zog den Reißverschluß
auf, streifte seine Hose herunter - Und dann das, was mir als Sklavin höchste
Lust bedeuten sollte, aber niemals tatsächlich Lust verschaffte: das
Glied des Herrschers in meinem Mund. "Du geiles Luder", stöhnte er.
ICH VERSUCHTE meine Sache gut zu machen. Meinen Widerwillen erklärte ich mir als eine ganz normale Reaktion, die es eben zu besiegen galt. Denn nichts anderes hieß es doch wohl, Sklavin zu sein: Die eigenen Gefühle zählten nicht, einzig von Bedeutung waren die Gelüste des Herrn und Gebieters. Jetzt war ich halt mit der Wirklichkeit konfrontiert, und die sah eben nicht so aus, wie ich sie mir in meinen Träumen vorgestellt hatte. Was hatte ich denn erwartet? Sollte er etwa immer das tun, was ich mir gerade wünschte? Ich wußte doch ganz genau, daß das der größte Fehler gewesen wäre, den er hätte begehen können: zu tun, was ich wollte. Nein, das wollte ich wirklich auch nicht! Ich wollte mich fügen. Ich wollte tun, was er verlangte. Und ich wollte es so gut machen, wie es mir irgend möglich war. MIR GELANG ES offenbar, meinen Herrn
zufriedenzustellen. Denn einige Zeit später wurde ich zur Lecksklavin
befördert. Diese Stellung gab mir das Recht, meinen Gebieter allmorgendlich
mit sanfter Zunge zu wecken und ihn auf diese Weise zu reinigen, um ihm
so das Bad zu ersparen. Und das Recht, abends auf gleiche Weise jede Ritze,
jede Falte seines herrschaftlichen Leibes zu verwöhnen. Ich keuchte
nach Luft unter seinem Gewicht, wenn er mir sein gebieterisches Hinterteil
ins Gesicht drückte. "Richtig lecken. Sklavensau, los, ganz mit der
Zunge rein, du Lustvotze ...!" Der Geschmack des Gebieters war bitter und
ranzig. Ich wand mich. Das alles gefiel mir nicht. Kein bißchen.
Das ist normal, sagte ich mir selbst, daß ich mich innerlich dagegen
sträube. Aber ich muß ihm gehorchen. Meine Brüste band
er mit Schnüren ab, er bestückte mich mit bauchigen Flaschen
und fotografierte mich dann. Er rasierte mich und ließ
Ringe an meinen Schamlippen anbringen. Er tauschte sich
mit anderen Gebietern über die neuesten Behandlungsmethoden mit heißem
Wachs und Elektroschocks aus.
WIE EINE HURE stylt er mich manchmal,
legt mich in Ketten und Fährt mit mir an bestimmte Plätze in
der Stadt oder im Wald, die Insidern bekannt sind, und hält dort an.
Da stehen sie schon, Spanner und Freier, und warten auf das, was die Nacht
ihnen bescheren wird.
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