| Der Duft seines Parfüms
hatte sie wohlig berauscht; es roch nach der Frische des Sommers, unaufdringlich
leicht und doch betörend herb. Das männliche Aroma umschloß
eine verschwenderisch tiefe Süße, die weder aufdringlich noch
unangenehm war. Sie liebte Parfüms, und während sie so da lag,
überlegte sie, ob sie ihre Geliebten nach Gerüchen unterscheiden
könnte. Sie sah in Gedanken die Gesichter ihrer Verehrer, verharrte
hier und da an besonderen und wanderte durch gemeinsam erlebte Szenen.
Sie hatte die Gabe, aus dem Duft eines Mannes seine ganze Welt zu erschließen.
Sie analysierte den Gebrauch seiner Parfüms. Waren es nur einige wenige,
vielleicht sogar nur ein einziges, das er zu jeder Gelegenheit benutzte,
oder besaß er eine Vielzahl, die er einzusetzen wußte je nach
Anlaß und Stimmung? Auch seinen Körpergeruch wußte sie
zu deuten und sich so ein Bild von ihm zu machen. Wie roch er, wenn er
sich ärgerte, wie duftete er, wenn er sie zu verführen suchte?
Alles registrierte ihr sensibler Geruchssinn. So lag sie in sich selbst
versunken, zufrieden und stolz auf diese seltene Fähigkeit auf seiner
schwarzen Klavierbank, mit roten Stricken bis zur Bewegungslosigkeit gefesselt.
Seit einer Ewigkeit lag sie hilflos so da und wußte sich nicht zu
orientieren unter der Augenbinde, die er ihr angelegt hatte. Das Schlucken
fiel ihr schwer, da er sie, um sie am Sprechen zu hindern, geknebelt hatte.
Mit der Zeit genoß sie ihre unangenehme Lage, konnte das Vergnügen
erkennen, das hinter der vordergründigen Unbequemlichkeit verborgen
lag: Sie konnte sich nicht um ihn bemühen. Sie mußte ihm als
passives Objekt genügen, das nichts unternehmen konnte, seine Lust
zu stillen.
Die Inventur der Männer ihres Lebens endete mit dem Gedanken an ihn, und sie kam zurück in die Gegenwart. Sie spürte deutlich wieder jeden einzelnen Strick, mit dem er sie kompromißlos fixiert hatte. Sie wußte nicht, wo genau er sich im Raum befand; sie hatte sich so in ihren Erinnerungen verloren, daß sie die ganze Zeit über nicht auf ihn geachtet hatte. Aus dem Nichts heraus vernahm sie plötzlich das Zünden von Streichhölzern. Sie glaubte zu spüren, daß er lange Zeit damit verbrachte, nah vor ihr Kerzen anzuzünden. Es schien eine große Zahl zu sein, denn sie hörte noch eine ganze Weile immer wieder neue Zündgeräusche, ohne daß er sich von ihr entfernte. Dann verspürte sie Luft warm aufsteigen und gab sich ganz der wohligen Atmosphäre hin. Jetzt spürte sie seine Hand, die ihre Augenbinde löste, und nach langer Zeit konnte sie wieder etwas sehen. Vor ihrer Bank hatte er unendlich viele Teelichter angezündet, und sie blickte in ein einziges Meer von flackernden Lämpchen. Sie spürte die kindliche Freude des jungen Mädchens, als es Weihnachten vor dem großen Tannenbaum stand, und glaubte sich zurückversetzt in diese Zeit. Überall funkelte es. Die Welt schien Für Sekunden so heil, so friedlich, so perfekt zu sein. In diesem Moment vollkommener Glückseligkeit nahm er ihr den Knebel aus dem Mund, und sie küßte seine Hand voller Dankbarkeit für die Erinnerungen ihres Herzens. Doch dann ließ er sie die Seligkeit vergessen, indem er sie mit einer Peitsche leicht zu schlagen begann. Bewußt geführte Streiche, um ihre noch kalte Haut vorzubereiten; keine Härte lag in den Schlägen, eher die Fürsorge, ihren kleinen Po gründlich zu erhitzen, um sie bei späteren, stärkeren Hieben nicht unnötig zu verletzten. Sie empfand die Wärme, die von den weich auf ihre Hinterbacken klatschenden Riemen hervorgerufen wurde, zunächst nur unterhalb der Gürtellinie; dann nahm die Hitze ihren Weg über den Bauch, erreichte ihre wohlgeformten Brüste und stieg weiter aufwärts, bis sie schließlich ihren ganzen Kopf erfüllte. Sie stieß ein lautes Seufzen aus, das ihm zeigte, daß das Ziel seiner Fürsorge erreicht war. Sie hatte mittlerweile ihre Augen geschlossen und bemerkte erst nach einigen Minuten, daß er aufgehört hatte, sie zu peitschen. »Dir ist natürlich klar, daß dies nur ein Vorspiel war. Nun werde ich damit beginnen, dich wirklich zu schlagen. Ich werde erst aufhören, wenn du mir eine bestimmte Zahl nennst. Früher nicht. So lange wirst du leiden müssen. Du wirst mir die genaue Menge Kerzen nennen, die jetzt vor dir steht. Aber Vorsicht, solltest du dich irren, verbinde ich dir die Augen, gebe dir fünf harte Schläge mit dem Rohrstock und lasse dich eine Weile alleine liegen. Dann beginnen wir von vorne, ich löse deine Augenbinde, und du hast eine zweite Chance. Du kannst dir vorstellen, wie es weitergeht!?« |
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