Das SM-Handbuch

Kleine Knigge für »Passive« und »Aktive«

Wenn ein Sklave sich bei seiner Herrin bedanken will, heißt es dann eher »Danke, meine Gebieterin« oder doch lieber »Danke, Lady«? Und wenn eine Sklavin sich ihrem Herrn anbieten will, gehören dann die Arme mit offenen Handflächen auf die Oberschenkel oder hinter dem Nacken verschränkt? Ist es erlaubt, dem Bondage-Meister während seiner kunstvollen, zeitraubenden Tätigkeit unterhaltsame Witzchen zu erzählen, und darf bei einer Spanking-Szene gelacht werden?
Natürlich gibt es für diese immer wieder auftauchenden Fragen keine endgültigen Antworten, die Geschmäcker sind so verschieden wie die Stimmung, in der jemand gerade ist, und je nach Absprache sollte das Spiel zuallererst befriedigend funktionieren.
Ein paar traditionelle Regeln haben sich herauskristallisiert, teilweise beruhen sie auf der ›Geschichte der 0‹, teilweise auch auf dem Buch ›Venus im Pelz‹.
Herrin, Gebieterin, Mistress, Madame bzw. Herr, Master, Gebieter, Sir sind traditionelle Anreden für den aktiven Part. Sklavin, Zofe, Dienerin bzw. Sklave oder TV-Zofe (Mann in Frauenkleidern) für den passiven Part. Diese Ausdrücke sind typisch für SM-Situationen, in denen es mehr um psychische Unterordnung als um das Erlebnis intensiver körperlicher Erfahrungen geht (hier werden meist keine speziellen Anreden benutzt - Vorname genügt!). Außerdem haben sich für männliche und weibliche ›Sklaven‹ bestimmte Anbiet-Haltungen bzw. Demuts-Posen eingebürgert: Knieend, die Hände mit der Handfläche nach oben auf den leicht gespreizten Schenkeln, den Blick gesenkt, den Mund leicht geöffnet. Knieend wie oben, doch mit den Armen im Nacken oder auf dem Rücken verschränkt. Stehend mit gespreizten Beinen, Arme wie oben. Auf allen Vieren, den Po deutlich vorgereckt. Auch das »Danke, Herrin« bzw. »Danke, Herr« für empfangene Schläge etc. hört man in bestimmten Zusammenhängen gern. Außerdem gehören zu diesen ›Regeln‹ noch das Sprechverbot (nur reden nach Aufforderung), Onanieverbot, Kleidungsgebote (z.B. keine Strumpfhosen oder Hosen, bzw. bestimmte Kleidungsvorschriften) und allgemeine Verhaltensregeln wie: nie mit übergeschlagenen Beinen zu sitzen, immer die Augen gesenkt zu halten, das Verbot, sich selbst zu berühren, etc. und vertragliche Vereinbarungen (z.B. Sklavenvertrag - siehe Kapitel ›Von Tabus und Verträgen,... ‹).  Deutlich wird hier, daß es sich ausschließlich um Regeln handelt, die für den passiven Part bestimmt sind, und daß sie ein (hoffentlich nur) inszeniertes Machtgefälle voraussetzen. Neben den traditionellen Regeln existieren natürlich viele individuelle Regeln. Merke: traditionelle Regeln sind nicht automatisch die besseren, denn die besten Regeln sind die, die denjenigen am meisten Lust und Befriedigung bereiten, die nach ihnen spielen. Zwar gibt es Leute, die SM so in ihren Alltag integriert haben, daß sie eigentlich immer innerhalb des Spiels sind, aber für die meisten SM-Leute ist es wichtig, klare Zeichen für Beginn und Ende einer Inszenierung festzulegen (wenn er beim Nach-Hause-Kommen sein Halsband auf der Kommode vorfindet, kann er dieses Angebot annehmen, oder wenn sie die Hände auf dem Rücken kreuzt, wird aus der Alltagssituation in der Küche plötzlich ein SM-Spiel). Eines der beliebtesten Mißverständnisse ist, wenn der eine eine Reaktion als zu ahnende Provokation sieht und der andere einfach nur seine Befindlichkeit geäußert hat. Klare Absprachen helfen, Mißverständnisse zu vermeiden.



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