Schlag drauf und Schluss?


Zwar bin ich sicherlich kein "alter Hase" in Sachen BDSM, dennoch denke ich, ein bisschen was zu diesem Thema erzählen zu können durch das, was ich in den letzten fünf Jahren zuerst im Web (BDSM-Seiten, Chats, Mailinglisten) und später dann auch im "Real Life" erfahren und erleben durfte. Ich werde nun erst gar nicht versuchen, einen roten Faden einzuflechten, sondern schreibe hier vielmehr in losen, meist unzusammenhängenden Punkten über das, was mir so zum Thema "BDSM" einfällt und was nicht in die Rubrik "Tips und Tricks" gehört. Ich möchte noch darauf hinweisen, dass das hier Niedergeschriebene rein meine subjektive Einstellung und Meinung zu diesen Punkten ist.

Was bedeutet "BDSM"?

Nicht jeder, der hierher surft, kann vielleicht etwas mit diesen vier Buchstaben anfangen. "BDSM" ist ein zusammengesetzter Kunstbegriff aus "B&D", "D/S und "SM". "B&D" steht für "Bondage and Disciplin"("Fesselung und Bestrafung"), "SM" für "Sadomasochism" (= "Sadomasochismus"). Diese beiden Drittel könnte man als den physischen Teil der "BDSM-Trinität" bezeichnen. "D/S" wiederum bedeutet "Dominance/Sumission" ("Herrschaft/Unterwerfung") und macht eher die psychische Seite aus. In der Praxis zeigt sich, dass die Wenigsten einen dieser drei Teile in Reinkultur ausleben. Überhaupt ist es schwer, hier Grenzen zu ziehen - die Übergänge sind zu fließend. Wo hört z.B. "B&D" auf und fängt "SM" an? Ich habe es noch nicht herausgefunden. Dennoch gibt es Paare, die "D/S" vollkommen ohne Bestrafungen (z.B. Schläge) und Fessellungen praktizieren. Genauso, wie es Sadomasochisten gibt, die sich niemals ein Halsband anlegen lassen, sich keinesfalls demütig hinknien und es sich erst recht nicht vorstellen können, "Sklavin/Sklave" genannt zu werden und den aktiven Partner als "Herrin/Herr" zu bezeichnen. Pat Califia (eine amerikanische Autorin, Lesbe und SMlerin) meint übrigens in ihrem empfehlenswerten Buch "Sensuous Magic", daß sowohl "B&D" wie auch "D/S" Begriffe sind, welche von Leuten verwendet werden, denen es einfach nicht behagt, sich als "Sadomasochisten" zu bezeichnen, da diesem Ausdruck doch immer noch der Stempel des Unnormalen, des Kranken anhaftet.



Oben, unten und dazwischen

Es gibt bei den unterschiedlichen BDSM-Komponenten auch verschiedene Bezeichnungen für den aktiven und den passiven Partner. Bei D/S spricht man im Allgemeinem von "Doms" (dominant) und "Subs" (submissiv). Übrigens gibt es viele Subs, die Wert darauf legen, dass sie "submissiv" und nicht "devot" sind, da Letzteres für sie einen pathologischen Beigeschmack hat. Im B&D- und SM-Bereich bezeichnet man den aktiven Teil als "Top" und den passiven als "Bottom". Und dann gibt es natürlich noch die BDSMler, die sich nicht für eine Seite entscheiden können und die sowohl die aktive wie auch der passive Seite der Medaille anmacht. Diese Leute bezeichnet man nun im sauberen Englisch als "Switch" (= "Schalter") und im eingedeutschten Englisch als "Switcher", wobei hier nicht nach B&D / SM und  D/S unterschieden wird. Allerdings gibt es nicht viele Leute, die diese Begriffe ganz strikt und sauber trennen. Ich persönlich mag den Begriff "Bottom" nicht besonders, da er eben auch "Hintern" bedeuten kann - und wer ist schon gerne der (_|_)? Darum spreche ich von "Tops und Subs" - das klingt meiner Meinung auch schön harmonisch. Übrigens soll es auch noch Leute geben, die von "Sklaven", "Dienerinnen", "Zofen", "Herrinnen", "Meistern" etc. sprechen ;-).


Erkennungszeichen
 
Die Schwulen als bereits länger bestehende organisierte Minderheit haben es da leichter als wir BDSMler. Sie haben den sogenannten "Hanky-Code" eingeführt und etabliert. Ein schwuler Bondagefan beispielsweise gibt sich Eingeweihten zu erkennen, indem er ein graues Taschentuch hinten in einer Hosentasche trägt. Ein schwuler Sadomasochist verwendet ein schwarzes. Linke Hosentasche bedeutet in beiden Fällen "aktiv", rechte bedeutet "passiv". Die Schwulen haben auch noch zahlreiche andere Hankyfarben, auf die ich allerdings nicht eingehen möchte. Was haben nun die Hetero-SMler? Leider nichts, was sich schon international durchgesetzt hätte oder auch nur größere nationale Verbreitung gefunden hätte. Bei europäischen SMler findet sich vermehrt der sogenannte "Ring der O". Das ist ein meist stählerner Fingerring mit einem weiteren kleinen Ring auf der Oberseite (ein Ring am Ring also), so dass das Ganze einer Metallfessel ähnelt (siehe Bild unten links). Im Gegensatz zur "Geschichte der O", in der O diesen Ring auf den rechten Ringfinger gesteckt bekommt, tragen Aktive (wie auch beim Hankycode) ihn links und Passive rechts. Nein, ich habe noch keinen Switch mit zwei dieser Ringe gleichzeitig rumlaufen sehen, auch noch keinen, der ihn an einer Halskette getragen hätte. Statt dessen tragen die mir bekannten Switcher ihn je nach momentaner Stimmung ganz simpel links oder rechts. In den USA ist ein BDSM-Emblem recht verbreitet und wird auch in Deutschland zunehmend bekannter (Bild oben und animated Gif im Vorwort dieser Seite). Für dieses an ein dreifaches Yin-Yang erinnernde Symbol gibt es mehrere Deutungen: die drei "Tropfen" stehen für die drei Teile von BDSM - nämlich B&D, D/S und SM, sie stehen für "aktiv", "passiv" und "switch", und/oder sie stehen für den allgemein akzeptierten Leitsatz "SSC" ("safe, sane and consensual" = "sicher, vernünftig und im gegenseitigem Einverständnis"). Mehr Infos findet Ihr auf der HP von Quagmayr (dort hab ich auch die Bilder entliehen), der übrigens das Copyright für dieses Emblem hat. Manche BDSMler tragen auch kleine Schlüsselanhänger-Handschellen (Bild unten rechts) am Gürtel, mit denen man auch wieder gut aktiv/passiv signalisieren kann. Leider ist weder der "Ring der O" noch die Handschellchen ein eindeutiges Indiz, dass der Träger BDSMler ist. Denn den Ring bekommt man mittlerweile in "gewöhnlichen" Sexshops und in der Grufti-Szene sind ist er ebenfalls ziemlich verbreitet. So wie übrigens auch SM-Toys á la Halsbänder und Lederfesseln und Handschellen - was allerdings nicht bedeutet, dass jeder Goth, der so etwas trägt, auch auf BDSM steht - für viele der schwarzen Gesellen ist das einfach schön düster und böse. Die Schlüsselanhänger-Handschellen kann man in vielen Kiosken erwerben und auch manch Vanilla findet sie nett und schick. Ein weiteres Erkennungszeichen können übrigens Handschellenschlüssel sein, die man an einer Kette um den Hals trägt - das dürfte unter Nicht-SMlern nicht sonderlich verbreitet sein.



Chats und Mailinglisten (ergänzt: 08.11.2004)

Das Internet ist ein guter Ort, um auf "Gleichgesinnte" zu treffen. Und die Anonymität des Webs macht es für viele leichter, über Dinge zu sprechen, die ihnen anfangs vielleicht noch unangenehm und peinlich sind. Wer gerne "live" mit Leuten kommuniziert, sollte Chats aufsuchen. Im Web finden sich einige Chats, deren Thema einzig und alleine BDSM ist (z.B. "Golden-Gate-Chat" oder "Schlagzeilenchat"). Aber auch viele der großen Webchats haben einen oder mehrere Räume, welche der "dunklere Seite der Sexualität" gewidmet sind (z.B. "Bizarre-Talk" in ChatCity oder "Fetisch" in Chatworld. Im IRC (Internet Relay Chat) finden sich ebenfalls zahlreiche sogenannte "Channels", die für BDSMler interessant sind - sowohl deutschsprachige wie auch internationale/englische. Als Beispiel möchte ich hier nur einmal den #bdsm.de, #sm.de, #sklavinnen, #bdsm.at, #bdsm.info, #bondage und #femdom aufführen. Sowohl Webchats wie auch IRC haben hier gemeinsam, dass reine Baggerer äußerst unwillkommen sind. Wer also die anderen Chatter lediglich als potentielle Spielpartner sieht und womöglich wahllos einen nach den anderen mit ein und denselben Spruch angräbt, braucht sich nicht wundern, wenn er ziemlich schnell auf "ignore" landet oder in von Operators überwachten Chats stante pede vor die Tür gesetzt wird. Wer allerdings am Channelgeschehen an sich Interesse zeigt, höflich und bestenfalls intelligent und witzig mitdiskutiert, wird sicherlich auch bald zu Channeltreffen und Channelpartys eingeladen und lernt oftmals viele neue interessante Menschen auch live kennen. Und ich will hier auch nicht verheimlichen, daß so mancher im Chat einen Spielpartner oder gar die Frau / den Mann fürs Leben gefunden hat - nur sollte die zwanghafte Partnersuche keinesfalls der einzige Grund sein, um einen Chatraum zu betreten.
 
Wer sehen möchte, wie sich Möchtegern-Herren im Chat aufführen, der soll mal hier klicken...

Eine Mailingliste ist (ähnlich wie eine Newsgroup) eine Einrichtung, um mit Leuten, die ähnliche Interessen haben, zu diskutieren. Man schickt ein Mail an die Liste, welches dann an alle dort Eingetragenen weitergeleitet und evtl. auch von einigen beantwortet wird. Für die meisten Mailinglisten gilt: Baggern und Kontaktanzeigen sind unerwünscht! Eine Mailingliste dient dem gegenseitigen Gedankenaustausch und der Beantwortung von Fragen, nicht dem Finden von Frischfleisch. Aus diesem Grund sind einige Mailinglisten auch geschlossen. Das bedeutet, daß nicht jeder an ihnen teilnehmen kann sondern, dass man für gewöhnlich einen Bürgen braucht, der einen für die jeweilige Liste vorschlägt. Darüber hinaus gibt es offene Mailinglisten an denen jeder teilnehmen kann, der die Voraussetzungen erfüllt (z.B. Volljährigkeit). Ein paar Adressen für offene Mailinglisten finden sich auf meiner Link-Seite.



Stammtische (geändert: 26.04.2003)

In fast jeder größeren Deutschen Stadt gibt es mittlerweile Gesprächsgruppen und Stammtische (in den "Schlagzeilen" gibt es eine Seite, auf der man die Adressen erfahren kann und bei meinen Links findet Ihr die Gruppen, die im auch Web vertreten und deren URLs mir bekannt sind). Ähnlich wie ein Chat dient ein Stammtisch dazu, sich mit "Gleichgesinnten" zu treffen. Dabei wird nun keinesfalls ständig über BDSM geredet, aber man weiß, wenn man Fragen zu diesem Thema hat, oder einfach drüber quatschen will, dann sind da Leute, die einen verstehen und nicht als "pervers" oder "krank" abstempeln. Und ebenfalls wie Chats, sind Baggerer, Spielpartnersuchende und Fleischbeschauer bei Stammtischen in der Regel unerwünscht. Ich erzähl nun einfach mal ein wenig über die zwei mir bekannten Münchner SM-Stammtische:

1. "FreieSMünchen"
Keine Ahnung, wie der entstanden ist. Auf alle Fälle ist es ein sehr großer Stammtisch - 60 bis 100 Besucher an einem Abend sind wirklich keine Seltenheit. FreieSMünchen hat auch - im Gegensatz zu vielen anderen Stammtischen - nicht einfach nur einen (oder mehrere) Tische in einem Lokal für den Stammtischabend reserviert, sondern beansprucht gleich das gesamte Lokal für sich. Das hat den interessanten "Nebeneffekt", dass einige Leute zu diesem Stammtisch im Outfit erscheinen und auch manchmal irgendwo (light) gespielt wird. Die Existenz von FreiesMünchen ist kein Geheimnis - der Stammtisch wird bei "Gesprächsgruppen und Arbeitskreise" in den "Schlagzeilen" mit Ort und Zeit erwähnt und findet sich auch hinten in Grimmes "SM-Handbuch".

2. "smigo"
Dieser Stammtisch wurde von ein paar Leuten gegründet, denen FreieSMünchen zu groß und zu unpersönlich wurde. Die Besucherzahl liegt mittlerweile im Schnitt um zwischen 30 und 50. Man trifft sich meist "normal" gekleidet in einer "gewöhnlichen" Gaststätte. Der Altersdurchschnitt der smigos (in etwa 30 Jahre) dürfte ca. 10 Jahre unter dem von "FreieSMünchen" liegen. Bei Smigo fand man früher neue Stammtischler hauptsächlich via "Mundpropaganda". Mittlerweile sind die Stammtisch-Termine auf der eigenen Homepage bekannt gegeben, was zu einem beachtlichen Anstieg der Mitglieder geführt hat. Auf der Homepage findet der interessierte Neuling auch einige Ansprechpartner, die mit eMail-Adresse, Telefonnummer und zum Teil auch mit Bild aufgeführt sind. Es wird immer noch großen Wert darauf gelegt, dass nur Leute kommen, die auch zum Stammtisch passen. Mit "passen" ist nicht gemeint, dass diese Leute erfahrene SMler mit mindesten 50 Spielstunden sein müssen. Nein, jeder unerfahrene Neuling ist immer gerne willkommen - es sollen lediglich sympathische Leute sein, die auch wirklich am Stammtischgeschehen interessiert sind. Da auch smigo mittlerweile über 200 Mitglieder hat, wurde vor einiger Zeit ein Orga-Team gegründet, das sich um die Stammtischbelange kümmert und neue Aktivitäten und Projekte ins Leben ruft, z.B. Themenabende, Einsteigertreffen, Flyergestaltung, Treffen mit Politikern etc. Außerdem sind einige "inoffizielle" Nebenaktivitäten entstanden, die zwar aus den Reihen der smigos kommen, aber nicht offiziell unter dem Stammtischnamen laufen. So gibt es eine regelmäßige Badminton-Runde, Pokerabende, Kegeln, gemeinsames Bladen etc.
 
Wer erfahren möchte, wie gruselig mein erster Stammtischbesuch bei smigo war, der soll mal hier klicken...
...und wer wissen möchte, was man beim Stammtisch erleben kann, wenn ganz plötzlich unerwünschter Besuch aufkreuzt, der soll hier klicken...



Partys (ergänzt: 21.09.2000)

Auch SMler feiern Partys - sogar ziemlich gerne und oft. Es gibt sowohl private, wie auch öffentliche Partys. Was mag es für Gründe geben, warum man zu diesen Parties geht? Manche gehen einfach "nur" dahin, um mal wieder Bekannte zu treffen, die weit entfernt wohnen. Andere um ihr neuestes Outfit zu zeigen, um ihren Sklaven bzw. ihre Sklavin öffentlich vorzuführen und evtl. vor allen zu bestrafen... man frönt praktisch seinem Exhibitionismus, seinem Voyeurismus oder oftmals beidem. Für all diese öffentlichen Partys gilt ein mehr oder weniger strikter Dresscode - meist Lack, Leder, Latex, Gummi, Military, sexy sündig oder allermindestens schwarz. Zu guten Partys wird man natürlich auch in phantasievollem Gewande eingelassen, z.B. als Gouvernante oder als Inquisitor-Mönch. Und last but not least habe ich noch keine Party erlebt, in die man nicht im Adams- (oder Eva-) Kostüm reinkäme... was allerdings wohl nur für die wenigsten Tops erstrebenswert erscheint ;-). Dieser Dresscode hat schon durchaus seinen Sinn. So wird manch Spanner, der eigentlich gar nicht an BDSM interessiert ist, davon abgeschreckt. Und seien wir doch mal ehrlich, was wäre das denn für eine Party-Atmosphäre, wenn die Hälfte der Besucher in ausgewaschener Jeans, weißem T-Shirt und Turnschuhen rumlaufen würde? Empfehlenswerte öffentliche Partys, die ich bisher miterlebt habe, sind die "Carpe Noctem in Colonia" sowie die SM-Partys des "Beach Clubs" in Starnberg. Enttäuscht  war ich jedoch von der "Le Café Bizarre" in München. Dafür, daß dort ein ultrastrenger Dresscode herrscht (alles aus Stoff - egal ob schwarz oder nicht - muß ausgezogen werden... außer Socken), war dann innen recht wenig geboten - es sei denn man steht darauf, etliche Leute der Marke "SM ist eine todernste Sache" mit grimmiger Miene rumstehen und -sitzen zu sehen. Auch hab ich einen Haß auf Parties, bei denen Solomänner den doppelten Eintrittspreis wie Paare (also Paar-Hälften) oder Solodamen zahlen müssen. Fadenscheinig begründet wird das damit, daß man auf diese Weise nervige Spanner fernhalten möchte und die Party-Ambiente so besser gewahrt bleibe. Meiner Meinung nach will man jedoch nur mit dem Geschlechter-Verhältnis-Mißstand in der "Szene" Geld scheffeln - denn wenn wirklich o.g. Gründe zuträfen, wäre es doch konsequent, Karten nur an Paare zu verkaufen bzw. nur Paaren Einlaß zu gewähren.



Die Szene (neu: 21.09.2000)

Die Szene gibt es meiner Meinung nach überhaupt nicht, weswegen ich den Begriff meist in Anführungszeichen setze. Es gibt wohl allenfalls eine nicht genau bestimmbare Anzahl von "Szenchen". Diese können lokal abgegrenzt sein (Ort, Stammtisch etc.) oder auch durch ein Medium wie das Internet (z.B. Mailingliste, Chat) entstehen. Oftmals unterscheiden sich solche "Szenchen" untereinander wie Äpfel von Birnen. Beispielsweise schütteln manche Old-School-Anhänger, für die ein "Top" noch ein "Herr", ein "Sub" noch ein "Sklave" und ein "Switch" etwas total Unbekanntes ist, nur den Kopf, wenn sie mal junge Leute mit einer Fun-BDSM-Einstellung antreffen und fragen: "was hat das noch mit SM zu tun?". Also nicht gleich frustriert aufgeben, falls Du mal in die falsche "Szene" geraten solltest, sondern weiter umschauen - meist gibt es in jeder größeren Stadt nämlich nicht nur eine, sondern zwei oder mehr "Szenchen".



Covern (neu: 21.09.2000)

Das Wort kommt aus dem Englischen und bedeutet "decken", "Deckung geben". Gemein ist, daß eine dritte Person (diese wird manchmal als "Schutzengel" bezeichnet) über ein Date Bescheid weiß. Dies ist äußerst sinnvoll, wenn man sich zum ersten mal mit einem neuen Partner zu einem Spiel trifft. Manche Leute lassen sich auch schon covern, wenn sie eine bisher (persönlich) unbekannte Person das erste mal "einfach so" treffen, z.B. in einem Restaurant oder Café. Man kann darüber streiten, in wie weit soviel Vorsicht notwendig ist, aber vor einem ersten Spiel halte ich ein Cover für eine äußerst nützliche Angelegenheit. Wie läuft ein Covervorgang nun ab? Der Schutzengel sollte bestenfalls wissen, mit wem man sich trifft (Realname, Telefonnummer, Adresse), wo man sich trifft und wann man sich trifft. Dann verabredet man eine feste Zeit, zu der man den Schutzengel anruft oder von ihm angerufen wird. Sollte der Schutzengel anrufen, darf er sich nicht mit "Soundso kann gerade nicht, da sie gefesselt und geknebelt ist" abspeisen lassen, sondern muß darauf bestehen, den Schützling ans Telefon zu bekommen. Wenn man auf Nummer sicher gehen möchte, kann man auch noch einen Code vereinbaren, z.B. "alles ist prima!" bedeutet, daß alles in Ordnung ist, während "es geht mir gut!" heißt, daß irgendwas verdammt schief läuft und der Schutzengel aktiv werden muß. Und da sind wir auch schon bei der Crux - was tun, wenn wirklich was schief läuft? Mit einem Baseballschläger an den Ort des Geschehens rasen? Sicherlich keine gute Idee. Man muß wohl in den sauren Apfel beißen und unverzüglich die Polizei verständigen. Aber zur Beruhigung: mir persönlich ist noch kein einziger Fall bekannt, wo so etwas vorgekommen wäre. Der Hauptsinn des Coverns liegt wohl in der Präventive. Schon allein darum sollte man seinem Date Bescheid geben, daß man sich covern läßt, und wenn das Date dann dagegen sein sollte, Finger weg! Übrigens sollten sich nicht nur Subs und/oder Frauen covern lassen. Welcher Herr kann schon sicher sein, daß ihn anstatt der erwarteten zierlichen Sklavin nicht ein Paar Schläger heimsuchen, die es auf sein Bares abgesehen haben? Wenn man jetzt übrigens tatsächlich keinen Freund oder (Stammtisch)Bekannten haben sollte, der einen covern könnte, gibt es auch kostenlose "professionelle" Coverdienste im (einige der auf meiner Linkseite genannten BDSM-Pages bieten das an).



Safeword (neu: 21.09.2000)

Auch Codewort genannt ist für viele ein absolutes Muß, für andere jedoch etwas total Abtörnendes. Ein Safeword sollte vor dem Spiel vereinbart werden für den Fall, daß etwas unerwartet schief läuft. "Nein", "Hilfe" und "Aufhören" sind denkbar ungeeignete Safewords, lieber sollte man etwas total Abwegiges wie "Senfgurke" wählen... allerdings nicht so abwegig, daß Sub es nicht leicht merken oder nur schwer aussprechen kann. Bewährt hat sich auch der sogenannte "Ampelcode" - hier bedeutet "gelb" soviel wie "ich bin an meiner Grenze, bitte nicht weiter" und "rot" heißt "etwas läuft verdammt schief. Sofort Spiel abbrechen, losbinden etc.!". Manche Leute verwenden auch noch "grün" um dem Partner zu signalisieren, daß sie etwas besonders schön finden und gerne mehr davon hätten. Ich persönlich fände es jedoch äußerst unerotisch, wenn meine Partnerin ständig "grün, grün... jaaaaaa grüüüüün!" rufen würde ;-). Auf Partys hat sich übrigens das internationale Safeword "Mayday" etabliert. Sollte Sub mal so gut geknebelt sein, daß er wirklich nicht mehr der Artikulation fähig ist, kann man anstelle des Safewords auch einen Gegenstand (z.B. Glöckchen) verwenden, den er dann im Notfall fallen läßt. Ist nun ein Safeword wirklich notwendig? Ich würde sagen jein! Es kommt auf die Art des Spielens an - wenn man ein Rollenspielszenario (z.B. "Hexe und Inquisitor") aufbaut, kann es durchaus nützlich sein, ein Safeword zu haben, wohingegen es beim "normalen" Spiel mit bekannten Partnern vielleicht eher überflüssig ist. Ich brauche kein "gelb", wenn mir meine Partnerin statt dessen beispielsweise auch "oh shit, meine Hand wird taub, kannst Du bitte das Seil lockerer machen?" mitteilen kann.



Partnerschaft (neu: 26.04.2003)
 
Einige Jahre lang wollte ich partout das Pferd von hinten aufzäumen. Sprich, ich war auf der Suche nach einer Frau, mit den gleichen BDSM-Vorlieben wie den meinen. Ich stelle mir das so vor, dass in der "Menge" der in dieser Hinsicht passenden Frauen sich dann schon eine finden würde, welche ansonsten auch gut zu mir passt und die sich dann in mich verliebt und umgekehrt. Manche Leute meinten jedoch schon damals, dass man 21 verschiedene Vorlieben vorfindet, sobald man 20 SMler hat. Das konnte und wollte ich nicht glauben. Also besuchte ich alle möglichen SM-Chats, Mailinglisten, Stammtische und Parties oftmals in der Hoffnung, dort vielleicht eine passenden Frau zu finden, obwohl das allesamt keine Kontaktbörsen sind. Ich probierte es immer wieder mal mit Kontaktanzeigen, erstellte diese gesamte Homepage nicht ganz ohne Hintergedanken ;-), ging ein paar "reine" Spielbeziehungen ein etc. Eine Bekannte vom Stammtisch, die einen guten Blick für Menschen hat, meinte mal zu mir, dass mir die Taube auf dem Dach wohl lieber sei, als der Spatz in der Hand. Kurz und gut, glücklich wurde ich so nicht... mir kam immer wieder U2's "and I still haven't found what I'm looking for" in den Sinn. Die Liebe lässt sich (leider?) nicht vorausplanen und steuern. Sie kommt plötzlich und unerwartet (auch wenn sie sich dafür viele Jahre Zeit nimmt) - und so wurde aus einer guten Kumpelfreundin eine Geliebte, eine Partnerin. Wir sind zwar - so sage ich es zumindest immer - nicht recht kompatibel, was unsere SM-Vorstellungen angeht, aber wir sind - betrachtet man das gesamte Leben und nicht nur eine seltsame Neigung - für einander geschaffen. So vieles haben wir gemeinsam, so ähnlich denken und sind wir oftmals. Und auch wenn meine Freundin andere Vorstellungen hat, so steht sie doch auf SM und so haben wir - neben den ein oder anderen Absturz - schon viele schöne gemeinsame erotische Erfahrungen erlebt. Und vieles ist einfach schon schön, weil es dem Partner gefällt und Freude bereitet. Kurz und gut, Ihr, die Ihr auf der Suche seid, verbeißt Euch nicht in Eure Neigung! Versucht nicht einen Gegenpart zu finden, der nur beim Sex 100%ig passt! Sucht nicht nur in einschlägigen Gefilden (SM-Kontaktanzeigen, Stammtische, Parties), sondern auch oder sogar vor allem im "normalen" Leben. Ein Bekannter meinte mal, dass er noch jede Vanilla-Frau mehr oder weniger für SM begeistern konnte und das glaube ich auch. Viel wichtiger ist es, eine Partnerin / einen Partner zu finden, mit dem man sein gesamtes Leben (und nicht nur die "Bettszenen") durchleben möchte, mit dem man durch dick und dünn gehen kann, der einen ergänzt und erweitert. Petra, ich liebe Dich!


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