Probieren geht über Studieren

 
Nun gut, zu wörtlich sollte man diese Überschrift natürlich nicht nehmen, aber ein bißchen Phantasie und Intuition haben auch im BDSM-Bereich wohl nur den wenigsten geschadet. Aber ich schweife ab. Unter dieser Rubrik hier möchte ich Tips, Tricks und Ideen veröffentlichen, die nun wahrscheinlich nicht gerade den Gipfel der Erleuchtung darstellen, aber vielleicht auch noch nicht allen bekannt sind. Auch ist das wenigste hier auf meinen eigenen Mist gewachsen, sondern stammt aus diversen, perversen Quellen ;-). Ach ja, ich weiß, dass die Rechtschreibreform mittlerweile stattgefunden hat, dennoch bleibt bei mir das "Tips" mit einem "p".

Wo kaufe ich ein?

Natürlich kann man in den nächsten "Beate Uhse" Laden gehen und sich dort reichlich mit Spielsachen eindecken - spätestens seit SM so populär ist, stellt das überhaupt kein Problem mehr dar. Diese Lösung ist zwar schnell und einfach, aber Ihr könnt Euch dafür auch ziemlich sicher sein, daß Ihr in "normalen" Erotikshops eine ganz schöne Stange Geld lassen werdet - dort gibt's nämlich meist alles nur mit dem berühmt/berüchtigten "Perversenzuschlag". Obendrein hat die teure Ware dann oftmals nicht einmal die beste Qualität. Auf letztere wird in vielen SM-Spezialgeschäften (wie z.B. "No Respect" in München) schon wesentlich mehr geachtet, wobei die Preise jedoch ebenfalls in den seltensten Fällen als "günstig" bezeichnet werden können. Viele Spielsachen und auch Kleidung kann man weitaus billiger erwerben, wenn man sie nicht in auf Erotik spezialisierten Läden kauft. Hier ein paar Beispiele, wo man gut alternativ shoppen kann:

Übrigens: wer wissen möchte, was man in Karstadts Reitsportabteilung so alles erleben kann, der soll mal hier klicken...



Eisdildos
 
Man kann ein mit Wasser gefülltes Kondom in die Tiefkühltruhe legen. Aber das Ergebnis ist oftmals nicht so, wie man es sich erwünscht hätte - auf einer Seite plattgedrückt und/oder krumm und schief. Viel besser geht das dann schon mit Zigarrenhülsen. Das sind die Dinger aus Aluminium, in die bessere Zigarren gesteckt werden. Keine Angst, Ihr müßt jetzt keine "Romeo y Julietta" für DM 30,- aufwärts kaufen - Fünf-Mark-Zigarren gibt's auch schon derartig eingepackt. Paßt nur auf, daß Ihr die Hülsen nicht randvoll mit Wasser füllt, sonst platzen sie beim Einfrieren auf und die scharfen Kanten der Rißstelle sollten dann nicht in die empfindlichen Löcher Eurer Partnerin bzw. Eures Partners eingeführt werden. Auch empfiehlt es sich, den Eisdildo vor Gebrauch kurz mit der Hand "anzuwärmen" - zumindest soweit, daß die äußere Eisschicht abtaut. Das Ding ist dann immer noch kalt genug, aber es besteht weniger die Gefahr, daß es an der Haut fest friert, was ja nur für die wenigsten erotisch sein dürfte.



Rohrstöcke

Ich will Euch jetzt nicht damit langweilen, daß man Bambus als Rohrstock besser meidet, da dieser zu leicht splittert, sondern statt dessen lieber Rattan (Spanisches Rohr) verwenden sollte. Das habt Ihr sicherlich schon anderswo zur Genüge gelesen. Auch wißt Ihr natürlich, daß man Rattan (BTW: kriegt man schon ab DM 5,-) regelmäßig wässern sollte, damit er geschmeidig und biegsam bleibt. Ich mache das nicht zu knapp vor der Anwendung (also mind. 2 bis 3 Tage zuvor), da mir ein vollgesogener Rohrstock zu schwer und schlechter kontrollierbar ist.

Ich will Euch jetzt berichten, wie ich meinen Rattan wässere - eine Methode, welche ich mir summa summarum auf diversen Mailinglisten angeeignet, erprobt und für gut befunden habe. Normalerweise sollte die Wässerungsdauer ganze 24 Stunden betragen. Diesen Zeitraum kann man allerdings halbieren, indem man etwas warmes Wasser z.B. ins Waschbecken laufen läßt und anschließend den Rattan (welcher zahlreiche feine Röhren enthält) wie einen Strohhalm verwendet - also das Wasser durchsaugt. Dieser Vorgang ist ziemlich anstrengend und es dauert schon einige Minuten, bis eine (recht übel schmeckende) Brühe im Mund ankommt.

Wie verhindert man nun, daß sich der Rattan beim anschließenden Wässern bzw. Trocknen verzieht? Manche hängen ihn dazu auf. Ich stecke ihn statt dessen in eine dünne Vierkant-Aluröhre (aus dem Baumarkt für DM 5,95) und lege beides in die Badewanne, was obendrein den Vorteil hat, daß das Teil unter Wasser bleibt und ich auch nur wenig Wasser einfüllen muß. In dieser Röhre lasse ich ihn dann auch bis zum Einsatz. Diese Methode kann man noch verbessern; um ein schnelleres krümmungsfreies Trocknen zu erreichen und um zu verhindern, daß das Holz evtl. zu schimmeln beginnt, einfach in die Aluröhre eine Anzahl genügend großer Luftlöcher bohren.



Selfbondage

Das Problem bei Selbstfesselungen oder "Selfbondage", wie das auf Neudeutsch heißt, ist bekanntlich Folgendes: wenn sie zu gut sind und man aus eigener Kraft nicht mehr rauskommt, wird's entweder unglaublich peinlich oder extrem gefährlich und beides ist wenig erstrebenswert. Ist die Fesselung jedoch so aufgebaut, dass man sie (relativ) leicht allein wieder lösen kann, dann ist das für den wahren Fesselfan nicht wirklich befriedigend. Die Lösung ist heißt "Selfbondage auf Zeit" - also eine strenge, unlösbare Bondage, aus der man sich aber nach Ablauf einer bestimmten Zeit selbst wieder befreien kann. Zu diesem Zweck stellt ein geschäftstüchtiger US-Hersteller mittlerweile Handschellen mit einem Zeitschloss (dessen Funktionsweise ich leider nicht kenne) her, die man erst nach (je nach Modell) zwei bis acht Stunden wieder öffnen kann. Jedoch sind diese Teile nicht gerade günstig. Es geht aber auch preiswerter. Zwei Methoden, die ich selbst bereits erfolgreich ausprobiert habe, möchte ich nun hier vorstellen. Nur um es vorwegzunehmen: ich rate niemanden, das Folgende selbst auszuprobieren und v.a. übernehme ich keinerlei Verantwortung, falls es doch jemand tut und irgendwas schief geht. Ich sage lediglich, dass Selbstfesselung so funktionieren kann.

Für beide Methoden benötigt man an der entscheidenden Stelle mindestens ein Schloss du einen Schlüssel. Ob das nun ein Vorhängeschloss ist, oder Handschellen sind, ist im Prinzip egal. Ebenfalls kann es vorkommen, dass man mehr Zeit als ursprünglich geplant in der Fesselung verbringen muss - darum am besten zuvor die Blase ordentlich entleeren und nicht allzuviel Trinken.
 
1. Eis-Methode: hier gibt es (mindestens) zwei im Prinzip recht ähnliche Untermethoden. Bei der einen benötigt man zwei Schnüre und ein kleines Gefäß (z.B. Pappbecher). In den Pappbecher füllt man Wasser und in das man anschließend jeweils ein Ende von jeder Schnur eintaucht. Das ganze stellt man dann in das Gefrierfach, wartet bis das Wasser gefriert und holt anschließend den Eisblock, aus dem nun zwei Schnüre hängen sollten, aus dem Becher. An das freie Ende der einen Schnur bindet man nun den (entscheidenden) Schlüssel und am besten auch noch ein zusätzliches Gewicht. Das Ende der Anderen Schnur knotet man an die Zimmerdecke (an Lampe, Nagel etc.). Nun sollte der Eiswürfel/block in der Mitte hängen und die Schlüssel-Gewicht-Kombination etwas weiter darunter. Genau unter dieses Gebilde stellt man einen Eimer oder eine Schüssel, sofern man etwas dagegen hat, dass der Boden nass wird. Nun kann man sich mit den unterschiedlichsten Utensilien selbst fesseln, sofern man darauf achtet, an der entscheidenden Stelle, das Schloss (Handschellen etc.) anzubringen, dessen Schlüssel nun an der Decke hängt. Nur wenn dieses Schloss geöffnet wird, kann man sich wieder befreien, z.B. weil es zu den Handschellen gehört, mit denen man sich zuletzt die Hände auf den Rücken gefesselt hat. Natürlich ist für das Gelingen dieser Selbstfesselung extrem wichtig, dass man diesen Schlüssel im gefesselten Zustand nicht erreichen kann, solange er an der Decke hängt. Sobald das Eis jedoch geschmolzen ist und die Schnur mit dem Schlüssel frei gibt, welche dann zu Boden fallen, muss man den Schlüssel natürlich gefesselt erreich und sich befreien können. Man sollte die ganze Situation und Strategie natürlich im Vorfeld sehr gut durchdenken und am besten auch mal eine "Trockenübung" durchführen, bei der man einen immer erreichbaren Ersatzschlüssel zur Hand hat, falls man etwas falsch bedacht hat. Auch kann man so ganz gut testen, wie lange der Schmelzvorgang (welcher natürlich abhängig von der verwendeten Wassermenge ist) dauert. Allerdings kann man so lediglich eine Ungefähr-Zeit ausmachen, da die Schnur fast jedes Mal anders im Eis eingefroren liegt und sich somit das eine mal schneller und das andere mal langsamer löst. Die zweite Eis-Untermethode ist recht ähnlich. Hier benötigt man aber nur eine Schnur, deren eines Ende man in einem Schüsselchen mit Wasser einfriert und an deren anderes Ende man Schlüssel und Gewicht bindet. Die Schüssel mitsamt dem Eis stellt man dann anschließend auf einen Schrank Punkt (oder einen anderen hohen Punkt) und lässt Schlüssel und Gewicht über dessen Kante Baumeln. Der Vorteil zum "freischwebenden" Eiswürfel ist hierbei, dass nichts auf den Boden tropft, der Nachteil ist, dass man örtlich sehr eingeschränkt ist (also in Schranknähe spielen muss).
2. Zahlenschloss-Methode: hier wird entweder der entscheidende Schlüssel (siehe 1. Eis-Methode) an ein Zahlenschloss gesperrt oder das Zahlenschloss selbst muss erst geöffnet werden, bevor man den entscheidenden Schlüssel erreichen kann, z.B. weil es die Kette zu einem Halseisen mit der Heizung verbindet. Natürlich muss man dieses Zahlenschloss auch mit gefesselten Händen gut erreichen und öffnen können. Ansonsten benötigt man nur noch eine Zeitschaltuhr (gibt's im Elektro-Fachhandel) und Dunkelheit, also entweder einen sehr gut Verdunkelbahren Raum oder tiefe Nacht. Die Zeitschaltuhr wird mit einer Lampe verbunden, welche dann nach der eingestellten Zeit angeht. Nur dann kann man die Zahlen auf dem Schloss lesen und dieses öffnen. Natürlich müssen diese Lampe und alle anderen Lichtquellen für den Selbst-Gefesselten außer Reichweite sein. Ein Nachteil an dieser Methode ist, dass man die Fesselung, oder zumindest deren Ende, im Dunkeln durchführen muss. Ich persönlich würde von einem vollkommen abdunkelbaren Raum eher abraten und empfehlen, derlei Experimente bei Nacht durchzuführen - und zwar so, dass bei Tagesanbruch noch genügend Licht in den Raum dringt, um die Schloss-Zahlen lesen zu können. So hat man quasi eine Rückversicherung, falls die Zeitschaltuhr einmal versagen sollte. Sparsame Naturen verzichten gleich auf den Kauf der Zeitschaltuhr und informieren sich lieber, wann Tagesanbruch ist und ihre Selbstfesselung entsprechend zu timen.

Abschließend möchte den mahnenden Zeigefinger heben. Derlei Selbstfesselungen sind nicht ungefährlich, auch wenn sie noch so gut geplant und geprobt sind. Es kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren, wenn man sich gerade nicht selbst befreien kann. Das muss jetzt nicht der worstcase Zimmerbrand sein - ein Schwächeanfall kann z.B. jedem mal unverhofft widerfahren. Auch sollte man darauf verzichten, sich bei Selbstfesselungen zu knebeln und das nicht nur wegen der Erstickungsgefahr. Vielmehr empfiehlt es sich, Handy oder Cordless so parat zu legen, dass man es auch im Zustand der Fesselung erreichen kann, falls überraschend ein Notfall eintritt. Lieber einmal in eine sehr peinliche Situation geraten, als ein Leben lang tot sein! In diesem Sinne: play save and have fun!



Handschellen selbstgebaut
 
Ein kleiner Tip für alle, die sich nicht trauen, Handschellen in Waffen- oder SM-Shops zu kaufen, oder die eine relativ günstige und individuelle Hochsicherheits-Fessel besitzen wollen. Man benötigt dafür lediglich zwei ausreichend große Vorhängeschlösser (am besten mit Zylinderschloss) sowie einen Drehwirbel. Beides sollte sich in guten Baumärkten finden lassen. Die Bügel der Vorhängeschlösser führt man dann durch die beiden Drehwirbelenden - voila, fertig sind die Handschellen. Wer es ganz perfekt machen möchte, schweißt hinter den Drehwirbel-Ösen dann noch ein Metallstück an den Schlossbügel, so dass der Schellen-Durchmesser verkürzt wird und sich der Drehwirbel nicht mehr von den Schlössern lösen kann. Auf dem Bild sieht man ein solches Modell, welches aber nicht von mir gebaut wurde - es hat durchaus Ähnlichkeit mit den Escord-Handschellen der britischen Firma Chubb (siehe "Handschellen aus England nach 1960").


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