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mein erster Stammtischbesuch war schon ziemlich grotesk. Ich wurde ja praktisch
"genötigt" zum Stammtisch zu kommen... aber alles der Reihe nach.
28 Jahre war praktisch gar nichts, 1997 begann ich dann zu Chatten und
traf dort meine ersten echten SMler, die mich auf die Zart&Hart-Diskussions-Mailingliste
aufmerksam machten. Ich trug mich dort ein, stellte mich brav vor und erwähnte
dabei auch gleich, dass ich aus dem Großraum München komme.
Kurz darauf mailte mich eine Frau an, meinte, dass ich aufgrund meiner
ersten Listemails einen recht sympathischen Eindruck machen würde
und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, an einem Münchner SM-Stammtisch
teilzunehmen. "Oweia!", dachte ich mir. "Was ist denn das nun wieder Unheimliches?!
Die treffen sich da bestimmt alle in Lack&Leder und treiben dann was
weiß ich für schlimme Dinge...". Also dieses nette Angebot muss
ich ablehnen, dachte ich mir damals. Ich antwortete also der Frau, dass
ich wohl dafür noch nicht so ganz reif wäre und überhaupt
ja eigentlich nicht auf SM, sondern nur auf Bondage stehen würde,
etc. Ich bekam dann ein zweites Mail von der Frau, in dem auf meine Ängste
und Befürchtungen eingegangen wurde und man mir mitteilte, dass da
alles und alle wohl viel "normaler" sind, als ich mir das wohl vorstelle.
Na gut, ich hatte mir ja zu der Zeit vorgenommen, mein Leben zu ändern und mal aus meinem Schneckenhaus rauszukommen. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt - und so nahm ich all meinen Mut zusammen beschloss, am nächsten Stammtischtermin von "SMunich" (so hieß "smigo" damals) anwesend zu sein. Mit der S-Bahn ging's an einem kalten Dezembertag ins Zentrum Münchens und dann noch ca. 20 Gehminuten weiter bis zum Stammtischlokal. Vorsichtshalber hatte ich sogar ein Paar Handschellen in die Jackentasche gesteckt - vielleicht muss man sich ja ausweisen, oder im Anschluss geht's dann doch noch irgendwo so richtig zur Sache. Derartig horrende Vorstellungen von einem BDSM-Stammtisch hatte ich damals nämlich - trotz Überzeugungsmail. Aber die Realität sollte meine schlimmsten Befürchtungen noch übertreffen. Es ging schon damit los, dass ich in der übervollen Kneipe keinen eindeutigen Tisch entdecken konnte. Also ging ich in die hinterste Nische und fragte kühn "Hi, ich bin Günter, seid ihr der Stammtisch?". "Nein, wir sind kein Stammtisch!" lautete die doch überraschende Antwort. Aber im Augenwinkel erspähte ich gleich nebenan einen Tisch voller dunkel gekleideter Gestalten. "Das müssen sie jetzt aber wirklich sein!" dachte ich mir und meinte darum gleich forsch "Hi, ihr seit sicher der Stammtisch, ich bin Günter". Fragende Gesichter, und die Antwort "Stammtisch?" waren das Ergebnis meines Auftritts. "Äh ja, Stammtisch", erwiderte ich schon sichtbar verunsicherter und ergänzte noch "SMunich!?". "Smu... was?", meinte einer der Leute und "nein, wir sind kein Stammtisch". Sowas aber auch! Ich beschloss, den zu fragen, der es nun wirklich wissen müsste - den Gastwirt. Am Tresen erkundigte ich mich also, wo hier der Stammtisch "SMunich" zu finden sei. Die niederschmetternde Antwort war, dass der Wirt keinen solchen Stammtisch kenne und auch keine Reservierung unter diesem Namen vorläge. In der Überzeugung, dass man mich wohl insgesamt nur verarschen wollte, machte ich mich auf, das Lokal wieder zu verlassen. Aber dann winkte mich ein einzelner Mann an einem ansonsten leeren Vierertisch in der Mitte des Lokals zu sich und fragte mich, ob ich den Stammtisch suchen würde. An dieser Stelle sollte ich einschieben, dass SMunich/smigo Ende 1997 gerade mal aus fünf Leuten bestand, was ich aber damals noch nicht wusste, und ich als Neuling überpünktlich - sprich 20 Minuten zu früh - erschien. Vorsichtshalber fragte ich also nach, ob er "SMunich" meine, nicht dass ich noch aus Versehen bei den Taubenzüchtern oder so lande. Er bejahte und meinte, ich solle mich setzen. Kaum saß ich, da ging das Grauen auch schon weiter. Der Mann, den ich auf Mitte vierzig schätzte, stellte sich als Alex vor und machte einen ruhigen und freundlichen Eindruck. Was ich aber noch nicht gleich erfuhr, er ist von Beruf Seminarleiter (oder so) und darum ging das Gespräch auch ziemlich seltsam weiter. "So, du bist also an unserem Stammtisch interessiert. Wie stellst du dir den Stammtisch den vor? Welche Erwartungen hast Du an den Stammtisch? Und vor allem, wie willst du dich selbst einbringen?". "Hilfe, nichts wie weg hier", dachte ich mir, "das ist ja grauenhaft... und am Ende muss ich sicher noch Feedback geben!". Aber ich rannte nicht gleich weg, sondern versuchte Alex halt klarzumachen, dass ich keine ausgeprägten Vorstellungen habe, da ich ja praktisch überredet wurde, hierher zukommen etc. pipapo. Aber ziemlich bald kam dann ein weiterer Mann, der wohl noch etwas älter als Alex war und ich dachte mir gleich, dass ich sowieso zu jung für diese Gruppe bin. Zum Glück erschienen kurz darauf ziemlich zeitgleich zwei junge nette Leute, der Mann war in meinem Alter und die Frau, von der ich gleich erfuhr, dass sie mich angemailt hatte, war überraschenderweise sogar erst Anfang 20. Wir hatten dann doch noch einen schönen Abend, mit vernünftigen Unterhaltungen über Gott, die Welt und BDSM und ich beschloss, dass der Stammtisch doch gar nicht so übel ist. Und so wurde ich SMunich/smigo-Mitglied, was ich bis heute nicht bereut habe... ganz im Gegenteil. |
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