Neulich bei "smigo"...
 
 
   Ich hatte immer schon ein ungutes Gefühl, seit wir dieses Lokal als neuen Ort für unseren Stammtisch gewählt hatten. Ich hatte immer schon geahnt, daß genau dies passieren würde. Aber glücklicherweise hatte ich meine Mit-Stammtischler diesbezüglich auch bereits vorgewarnt. Aber alles der Reihe nach. Nachdem unser damaliges Stammtisch-Lokal schließen mußte, wählten wir als neuen Ort der Zusammenkunft ausgerechnet die Stammkneipe eines meiner Kollegen. Und dieser Kollege ist nicht nur ein Musterbeispiel an Intoleranz und Engstirnigkeit, er kann obendrein auch noch nicht mit Alkohol umgehen - sprich, er betrinkt sich oftmals hemmungslos und wird dann nahezu unausstehlich. 

   Aber wie bereits erwähnt, ich hatte die smigo-Leute vorgewarnt und ihnen mitgeteilt, daß sie bloß nichts in Richtung BDSM erwähnen sollen, falls Albert Schuster (*) plötzlich mal an unserem Tisch auftauchen sollte. Einmal fiel der Stammtisch bereits mit einem Albert-Besuch in dieser Kneipe zusammen, aber damals saß er nur an der Theke und beachtete uns nicht groß. Am nächsten Arbeitstag fragte er mich dann, wer denn meine Gruppe gewesen sei und ich erklärte ihm, das sei ein Chattertreffen gewesen (was ja gar nicht sooo gelogen war). 

   Doch beim nächsten Mal lief es dann nicht mehr so "glimpflich" ab. Wir waren gerade mitten im schönsten Stammtisch-Smalltalk, als plötzlich Albert auf uns zu kam. Sein glasiger Blick verriet mir sofort, daß er bereits mehr getrunken hatte, als gut für ihn ist. "Ist's erlaubt, daß ich mich dazu setze?", fragte er und ohne auf eine Antwort zu warten, nahm er auch schon Platz. "Ihr seid jetzt also Tschädder", sinnierte er dann. "Mei, ich versteh davon ja überhaupt nichts". Meine ja bereits vorgewarnten Stammtischler verhielten sich nun, da der Ernstfall eingetreten war, absolut mustergültig und redeten über Chats, Computer und alle möglichen anderen Themen, die Albert eigentlich zu Tode langweilen sollten. Dummerweise stellte sich irgendwann heraus, daß Albert, der Diplom-Mathematiker ist, und Monique, die Informatik studiert, einen gemeinsamen Mathematik-Professor hatten bzw. haben. Und über den waren sie sich alles andere als einig. Albert schien viel von ihm zu halten, doch für Monique war er ein "A....loch, das den Studentinnen immer in den Ausschnitt starrt", was Albert wiederum mit einem "ja mei, des is halt a richtiger Mann!" quittierte. Dieser Disput trug nun dazu bei, daß es Albert bei uns doch wieder interessanter fand und es nicht so aussah, als wolle er uns in nächster Zeit wieder verlassen. 

   Wie heißt es so schön: "ein Unglück kommt selten allein". Bisher war es ja "nur" so, daß ich mich für meinen Kollegen schämte, doch in unmittelbarer Nähe zum Tisch kündigte sich bereits die "Katastrophe" an. Ein junger Mann schlenderte durch das Lokal und man sah ihm sofort an, daß er nach jemanden oder nach etwas suchte. Während ich noch lautlos "nein, bitte nicht!" flehte, kam er dann auch schon lächelnd auf uns zu und fragte: "Hi, ich bin Roland. Seid ihr der Stammtisch?". "Ja, sind wir", antwortete Monique wie aus der Pistole geschossen. "Hallo und setz dich hin!". Da war Roland erst einmal baff und verfolgte nun unsere komischen Computergespräche. Zum Thema "Chatten" meinte er dann: "Also ich chatte ja im 'Golden Gate Chat' und wo trifft man euch so?". Dummerweise heißt unser Chat nun "#bdsm.de", was evtl. Alberts Aufmerksamkeit erregen könnte und so kamen gleich verschieden Antworten á la "das kann man nicht so genau sagen" oder "das ist jetzt zu kompliziert für hier", worauf der Neue nur noch verblüfft guckte. Unglücklicherweise setze sich Roland ziemlich nah zu Albert und dem fiel augrund von Rolands Motorradkleidung auf, daß dieser wohl ein Biker war. Schon hatten die zwei mit "Biken und BMW-Maschinen" ein gemeinsames Thema gefunden und Albert fand es nun richtig unterhaltsam an unserem "Computertisch".  

   Roland war jetzt schon (wie er uns später mitteilte) davon überzeugt, daß wir alles verklemmte Typen wären, die auf keinen Fall über SM reden wollen. Endlich mußte Albert dann mal auf die Toilette und wir konnten Roland offiziell beim Münchner BDSM-Stammtisch "smigo" willkommen heißen und ihn in aller Kürze von unserer momentanen prekären Situation in Kenntnis setzen. Als Albert dann wieder zurückkehrte machten wir ihn darauf aufmerksam, daß wir nun gerne etwas Privates bereden wollen. Das ignorierte er praktisch vollkommen und machte weiterhin keinerlei Anstalten, uns endlich wieder zu verlassen. Wir wiederholten unseren Wunsch dann mehrfach und wesentlich energischer, um nicht sogar zu sagen unfreundlicher, aber genauso gut hätten wir mit der Wand reden können. 

   Schließlich erklärten wir Albert, wir gingen jetzt ins Kino. Tatsächlich aber wechselten wir die Kneipe. Das war übrigens der letzte Stammtisch, der in diesem Lokal stattfand - leider, da die Atmosphäre dort - ohne betrunkene und nervende Kollegen - eigentlich sehr angenehm war. 

(*) Alle Namen wurden von Atame geändert
 

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