Das Paradoxon



Vorwort:
Mit dieser Geschichte bin ich mal ein wenig auf die Nase gefallen. Und zwar habe ich sie einer Chatterin geschickt, die mich kein bißchen kannte - nicht einmal im VL. Ich wurde auf die Dame durch die Kurzgeschichten auf ihrer HP aufmerksam und - stolz auf mein Erstlingswerk - wollte ich nun mal die Meinung einer "Fachfrau" hören. Die bekam ich dann auch und sie war ganz schön niederschmetternd. Nicht, daß ihr mein Erzählstil nicht gefallen hätte, oder sonst etwas Technisches. Nein, sie hielt die Geschichte für eine Beschreibung, wie ich BDSM tatsächlich ausübe. Das ist sicherlich auch der recht dynamischen Ich/Du-Perspektive der Story zu verdanken. Nun ja, ich brauchte zwei längere Mails, um sie davon zu überzeugen, daß ich in Wirklichkeit nicht so verantwortungslos und leichtsinnig bin, wie mein Protagonist. Kurz und gut, diese Geschichte ist nicht gerade ein Musterbeispiel an SSC - also Kids, don't try this at home! ;-)

Vollkommen nackt kniest du vor mir. "Nein, nicht vollkommen nackt" schießt es dir in einem seltsamen Anfall von Sarkasmus durch den Kopf "immerhin trage ich ja noch diese Handschellen, die meine Arme auf den Rücken fesseln. Von dem Paar Fußschellen ganz zu schweigen". Vor ungefähr einer halbe Stunde legte ich dir diese Fesseln an. Anschließend erkundete ich deinen gesamten Körper mit sanften Händen, wobei ich die ein oder andere Stelle mit einem gehauchten Kuß bedachte. "Aber jetzt sitzt er seit ein paar Minuten nur noch da und schaut mich an" denkst du "so wie man ein neu erworbenes Gemälde betrachtet, nachdem man es an die heimische Wand gehängt hat. Worauf wartet er?"

      Doch bevor du mir diese Frage stellen kannst, stehe ich auf und meine "Ich habe da noch was für dich - ein hübsches Halsband. Ich werde es gleich holen. Lauf nicht weg!". Während ich ins Nebenzimmer gehe, denkst du mit einem spöttischen Grinsen über meine Worte nach "Nicht weglaufen - ha, als ob ich Lust hätte nackt und in Ketten den langen Weg nach hause zu schleichen. Gut es ist bereits dunkel, aber bei meinem Glück würde mich bestimmt jemand sehen!". Es dauert nicht lange, da komme ich auch schon wieder zurück. Wie du bereits ahntest, meinte ich mit "hübschen Halsband" keine der modischen Ketten, wie du sie für gewöhnlich trägst. Statt dessen zeige ich dir ein sieben Zentimeter breites und über einen halben Zentimeter dickes schwarzes Lederhalsband, an dem vier D-förmige Ringe angebracht sind. "Na, wie gefällt es dir?" Keine Antwort erwartend lege ich dir das Halsband an und verschieße es mit einem schweren Vorhängeschloß. Es sitz recht eng, ohne dich jedoch zu würgen und zwingt deinen Kopf in eine aufrechte Position. "Steht dir sehr gut" - das aufrichtige Lächeln, während ich dies erwähne, überzeugt dich davon, daß ich dich nicht verspotten will, sondern es tatsächlich ernst meine. "Komm ich möchte dir gerne mein Spielzimmer zeigen!"

      Ich helfe dir beim Aufstehen, da dies mit auf den Rücken gefesselten Händen und aneinander geketteten Füßen alleine gar nicht so einfach ist. Dann hake ich meinen Arm bei dir unter und wir verlassen das Wohnzimmer. Langsam, denn die kurze Chromkette zwischen deinen Fußschellen läßt keine großen Schritte zu. In der Diele siehst du dich im Spiegel. Widerwillig fasziniert gestehst du dir selbst ein, daß dir dein Halsband tatsächlich steht. Ich öffne eine Tür, hinter der eine kurze Treppe in den Keller führt. Während wir hinab steigen, klirrt die Kette der Fußfesseln bei jedem Schritt deiner nackten Füße auf die kalten Steinstufen.

      Unten angekommen schließe ich die Tür zu einem der beiden Räume auf, führe dich hinein  und schalte das Licht an. Etwas enttäuscht stellst du fest, daß der Raum, bis auf eine große Eichenholzkiste, auf den ersten Blick vollkommen leer zu sein scheint. Die gesamte hintere Wand wird jedoch von einem nachtblauen Samtvorhang verdeckt und du glaubst, daß es dahinter noch ein ganzes Stück weiter geht. Dann fällt dein Blick auf die, der Holzkiste gegenüberliegende Wand. In diese dunkelrote Ziegelmauer sind fünf Eisenringe eingelassen, an denen jeweils eine kurze Kette hängt. Ein Paar befindet sich in unmittelbarer Bodennähe, ein Weiteres parallel zum ersten, ungefähr zwei Meter höher. Der letzte Ring befindet sich genau zwischen dem zweiten Paar, jedoch etwas tiefer.

        Erschreckt stellst du fest, daß ich dich genau zu diesen Ringen hin führe. Ich hole ein weiteres Vorhängeschloß aus meiner Tasche und befestige damit die Kette des mittleren Ringes an deinem Lederhalsbandes. Dein erster Impuls war zu protestieren. Aber dann denkst du dir "Zu spät! Ich habe zugelassen, daß wir das Spiel beginnen - jetzt werde ich es auch zu Ende spielen".

        Als nächstes gehe ich zu der Kiste und öffne sie. Aus deiner Position könntest du nicht einmal in die Kiste sehen, wenn ich dir nicht mit meinem Rücken die Sicht versperren würde. Nach kurzem Herumkramen, wobei du des öfteren metallisches Klirren vernimmst, schließe ich die Kiste wieder und komme zu dir zurück. In der einen Hand halte ich vier weitere Vorhängeschlösser ähnlich denen, die ich an deinem Halsband befestigt habe, jedoch etwas kleiner. In der anderen Hand befinden sich zwei Paar verschieden große Lederfesseln, genauso schwarz und dick wie dein Halsband, allerdings weniger breit und nicht ganz so lang. Zunächst einmal lege ich alles vor dir auf den Boden.

        "Dreh dich um" befehle ich und du gehorchst, ohne darüber nachzudenken. Ich schließe deine Handschellen auf und stecke sie ein. Aber die wiedergewonnene Bewegungsfreiheit soll nur von kurzer Dauer sein. Ich fasse dich an den Schultern, wobei ich dich so zurück drehe, daß du wieder mit dem Rücken zur Wand stehst. Dann befestige ich deine Handgelenke mit den etwas kürzeren Ledermanschetten und zwei Vorhängeschlössern an den Ketten der oberen Ringe. Zu guter Letzt nehme ich dir noch die Fußschellen ab und fixiere dann deine Beine mit den Fußfesseln an den unteren Ketten. Sowohl Arme wie auch Beine sind jetzt weit gespreizt, was deinen Körper in eine X-förmige Position zwingt.

        Ich gehe ein paar Schritte zurück und betrachte dich, so wie ein Künstler sein Werk begutachtet. "Wunderschön, aber noch nicht perfekt!" stelle ich fest "es fehlen noch zwei Kleinigkeiten". Du siehst, wie ich erneut zur Kiste gehe und mit einem dunkelblauen Samttuch zurückkehre. Aber es nicht das Samttuch, welches deine Aufmerksamkeit erregt, sondern das Ding, das sich in meiner anderen Hand befindet. Ein großer roter Hartgummiball, der an mit einem Lederriemen befestigt ist.  An einem Ende dieses Riemens befindet sich eine Schnalle, ähnlich der eines Gürtels.

        "Was zum Teufel ist das?" willst du mich gerade fragen. Aber du hast kaum deine Lippen geöffnet, als ich auch dir auch schon den Gummiball in den Mund schiebe. Anschließend führe ich die beiden Lederriemen an deinen geröteten Wangen vorbei in den Nacken und zurre sie dort fest, so daß du den Ball nicht wieder ausspucken kannst. Der Knebel füllt fast deinen gesamten Mund aus und du stellst beängstigt fest, daß man dir jetzt nicht nur deine Bewegungsfreiheit, sondern auch noch die Fähigkeit zu Sprechen genommen hat. "Und nun will er mir auch das Sehen wegnehmen" denkst du während ich das Samttuch zusammenrolle. "Nein, bitte keine Augenbinde!" möchtest du sagen, aber statt dessen ist nur ein gedämpftes "mmmhhhh mmmmmhhhhhhh" zu vernehmen. Ich streiche dir zärtlich ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht, küsse dich auf die Stirn und verbinde ich dir schließlich die Augen.

        "Ich weiß, am Anfang ist es immer etwas schwer. Darum möchte ich dir auch genug Zeit geben, erst mal in Ruhe nachzudenken und dich mit deiner Lage abzufinden" erkläre ich mit ruhiger Stimme "ich komm dann in ein paar Stunden wieder". "Das kann er doch nicht machen" findest du "er kann mich doch nicht allein hier zurücklassen - gefesselt, geknebelt und mit verbundenen Augen". Du hörst wie sich meine Schritte von dir entfernen und ich "das brauchst du ja wohl nicht mehr" sage. Gleich darauf vernimmst du das Klicken eines Lichtschalters, gefolgt vom Geräusch einer Tür, welche geschlossen und abgesperrt wird. "Warum schließt er die Tür ab?" denkst du dir "ich kann sie ja nicht mal erreichen - ich bin doch hier wie ein Hund an die Wand gekettet. Nein, schlimmer! Jedem Hund gewährt man viel mehr Bewegungsfreiheit, will man nicht eine Anklage wegen Tierquälerei riskieren". "Komm bitte wieder zurück!" möchtest du schreien, aber wie bereits zuvor läßt dein Knebel keine verständlichen Worte zu - und erst recht keine lauten.

        "Dieser verfluchte Knebel". Du willst ihn loswerden, schiebst deinen Unterkiefer vor und zurück - immer wieder. Du drückst mit der Zunge dagegen. Alles ohne Erfolg. Du kannst den Gummiball nicht aus deinem Mund entfernen. Der daran angebrachte Lederriemen ist viel zu straff festgezogen. "Wenn ich doch nur die Schnalle öffnen könnte" denkst du "aber da komm ich ich mit meiner Hand niemals ran". Nun versuchst Du deine Hände frei zu bekommen, zerrst wie wild an den Lederhandschellen. Nichts! Die Fesseln sind viel zu gut verarbeitet und auch die Ringe in der Wand lassen sich keinen Millimeter herausziehen. Du wirfst deine Arme vor und zurück, soweit es die laut klirrenden Ketten zulassen, reißt an deinen Fußschellen - alles ohne auch nur den geringsten Erfolg.

        Noch eine ganze Zeitlang windest du dich leise wimmernd, bis du schließlich schweißgebadet und vollkommen erschöpft aufgibst. Während du schlaff in deinen Fesseln hängst, rinnt dir ein Speichelfaden über die bebende Unterlippe aufs Kinn und tropft schließlich von dort auf eine deiner steif gewordenen Brustwarzen. Erstaunt stellst du fest, daß Speichel nicht die einzige Körperflüssigkeit ist, über die du die Kontrolle verloren hast. Als sich dein Atem endlich wieder beruhigt, bemerkst du in der Stille ein neues Geräusch. "Seltsam", denkst du dir verwundert, "ich wußte gar nicht, daß man sein eigenes Herz pochen hören kann". Aber dies ist nur eine Begleiterscheinung deiner Erregung, einer Erregung, wie du sie noch nie zuvor erfahren hast. Jetzt endlich wird dir klar, was ich meinte, als ich vom "Paradoxon der Befreiung in Fesseln" sprach.


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