Aber zunächst einmal das Ende
von Ambientes "Listenmärchen": Der Moment war gekommen. Er trat
vor die beiden Säulen und die daran befestigten Untertanen Atame und
Zarah. "Da haben wir ja alles da - von A bis Z - fangen wir an!" Damit
hob er die Gerte und begann die beiden Hintern ganz allmählich aufzuwärmen.
Gerade
als der Sir sich entschließt, der armen Dame Zarah eine kurze Ruhepause
zu gönnen und sich dem Knappen Atame zuwendet, bricht der Riegel des
Portals zum SMC-Domizil mit einem ohrenbetäubenden Knall entzwei und
die schweren Türflügel aus Eichenholz schwingen weit auf. Ein
eiskalter Windhauch weht einen Schwall trockenes Herbstlaub in den großen
Saal und bringt die Kerzen zum flackern. Dort im Eingang - ins blutrote
Licht der untergehenden Sonne getaucht - steht eine schlanke Gestalt, eine
Frau. Ihr silbernes Haar wallt über ihren langen, schwarzen Lederumhang.
Durch ihre Halbmaske mustert sie das Geschehen mit stählernem Blick.
Atemlose Stille erfüllt den großen Saal.
Plötzlich - fast schon zu schnell für das menschliche Auge - zieht die Lady in Schwarz einen Langbogen von ihrer Schulter. Sie zielt kurz und ein langer, mit Rabenfedern stabilisierter Pfeil sirrt durch die Luft. Er bohrt sich dröhnend in die Marmorsäule, an welche man den Knappen Atame gefesselt hat - weniger als eine Daumenbreite neben des Sirs Kopf.
Der Sir braucht ungefähr drei Sekunden um seine Überraschung zu überwinden. Schließlich bemerkt er einen Zettel, welcher um den Pfeilschaft gewickelt ist. Er entfernt ihn und liest was dort in blutroten Lettern geschrieben steht - "Nieder mit der Listentyrannei - Freiheit für Atame!" Gezeichnet: "S".
In diesem Moment blickt Sklavin Susa, die zu Füßen ihres Herren kniet und erschrocken dessen rechtes Bein umklammert, die Lady in Schwarz eindringlich an und ruft schließlich überrascht: "Dana, bist Du es Dana? Ich dachte Du hättest keine Zeit und wärst weit weg?". Die Lady entgegnet mit einer Stimme, welche Quecksilber gefrieren lassen würde: "Nenn mich nicht Dana! Dana gibt es nicht mehr - ich bin Sark, die Rächerin!".
Der Sir bemerkt, daß ihm langsam die Kontrolle entgleitet und das gefällt ihm überhaupt nicht. Mit zornbebender Stimme ruft er seine Elite-Leibwächter: "Ritter Utz, Don Agheron, schnappt Euch dieses vorwitzige Weib. Ich will sie vor mir im Staube kriechen sehen. Sie soll mich um Verzeihung für diese blasphemische Frechheit anflehen!".
"Sir, jawohl, Sir!", brüllt Ritter Utz, zückt seine berüchtigte zwölffach geflochtene Reitgerte aus dem Leder eines im ewigen Eis Sibiriens gefundenen Wollnashorns und stürmt auf Rächerin Sark zu. Diese löst eine über dreieinhalb Meter lange Bullenpeitsche von ihrem Gürtel und mit einem einzigen Schlag ist Ritter Utz entwaffnet. Ein zweiter Hieb wickelt die Peitsche um Utz' Unterschenkel und ein kräftiger Ruck fegt ihn zu Boden. Sark drückt ihm sodann ihren 15cm Stiletto-Heel in den Rücken und Utz beschließt, lieber besiegt und zitternd liegenzubleiben. Don Agheron, der diese Szene mit blankem Entsetzen betrachten mußte, fällt nun auf die Knie, senkt seinen Blick vor der Rächerin und fleht: "Edle Dame, bitte verschont mich - ich habe immer nur getan, was der Tyrann mir befohlen hat... nur meine Pflicht erfüllt.... bitte, bitte...". Sark würdigt Don Agheron keines Blickes.
Plötzlich tritt eine Gestalt in schwarzer, mit roten Sternen und Monden geschmückter Robe aus den Schatten. Es ist der oberste Hexenmeister Gentle, des Sirs Haus- und Hofmagier. Er streckt die Arme empor und schickt ein stummes Gebet an seine finsteren Götter. Dann deutet er auf die Rächerin und mit spricht mit tiefer Stimme Worte der Macht: "Ra-ru-rick - Reicki-Trick!". Ein gleißender Strahl violetten Lichts löst sich von seinen Fingerspitzen und schießt auf Sark zu. Die Rächerin streckt ihren Arm aus und die gebündelte Energie wird von ihrer Handfläche auf Gentle zurückgeworfen. Doch der Erzmagier wäre nicht Erzmagier, wenn er damit nicht gerechnet hätte. Er fängt den Strahl ebenfalls mit der Handfläche ab und schickt ihn retour. So geht es immer weiter. Die Anwesenden werden Zeugen eines magischen Kräftemessens von unvorstellbaren Ausmaßen. Die Luft ist von einer Spannung und einem Knistern erfüllt, daß selbst Elektrix nur noch staunen kann. Viele Minuten lang ist nicht abzusehen, wer als Gewinner aus diesem okkulten Duell hervorgehen wird, doch dann beginnt Gentle zu zittern, der Schweiß läuft ihm in Sturzbächen die Stirn herab und mit einem Mal bricht seine Verteidigung zusammen und er sinkt bewußtlos zu Boden.
Nachdem nun dieses letzte Hindernis beseitigt ist, schreitet die Rächerin betont langsam auf den Sir zu. Einen Meter vor ihm bleibt sie stehen, blickt zuerst auf den an die Säule gefesselten Knappen, dann auf den Sir und spricht schließlich. "Oh Listentyrann, hat der arme Atame vor einem halben Jahr in der Hansestadt nicht bereits genug leiden müssen? Wollt Ihr nicht diesmal Gnade zeigen und ihm die Freiheit schenken?". Der Sir überlegt ganz kurz und antwortet entschlossen "NEIN!!!". "Na gut", meint die Rächerin schulterzuckend. "Dann eben nicht...", dreht sich um und verläßt den Saal. Der Sir und alle seine Untertanen blicken ihr nach, bis sie ihr schwarzes Gewand in der Nacht verschwinden sehen.
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